In einer pluralistischen Demokratie konkurrieren viele Parteien um Lösungen, keine besitzt einen Alleinvertretungsanspruch, und über Verfassungswidrigkeit entscheidet allein das Bundesverfassungsgericht. Das Heilsversprechen einer einzigen Partei ist ein bekanntes Muster populistischer Rhetorik. Hinzu kommt ein Umstand, der zur Rettungserzählung nicht passt: Am 13. Mai 2024 bestätigte das Oberverwaltungsgericht NRW, dass das Bundesamt für Verfassungsschutz genau diese Partei als Verdachtsfall beobachten und die Öffentlichkeit darüber unterrichten darf.
Bedürfnis nach kognitiver Geschlossenheit
Die Formel von der einzigen Partei, die uns retten kann, liefert eine einfache, endgültige Antwort auf komplexe politische Fragen und erspart das Abwägen zwischen konkurrierenden Lösungen einer pluralistischen Demokratie. Ein solches Urteil wird typischerweise auch gegen widersprechende Fakten verteidigt, etwa die vom Oberverwaltungsgericht NRW im Mai 2024 bestätigte Beobachtung der Partei als rechtsextremistischer Verdachtsfall.
Manche Menschen empfinden Unsicherheit und Mehrdeutigkeit als besonders unangenehm und streben deshalb danach, möglichst rasch zu einer eindeutigen Antwort auf eine Frage zu gelangen und diese danach beizubehalten. Dieses Bedürfnis nach kognitiver Geschlossenheit setzt sich aus zwei Tendenzen zusammen, dem Drang, schnell ein Urteil zu fällen (urgency), und dem Bestreben, ein einmal gefasstes Urteil gegen neue, widersprüchliche Informationen zu verteidigen (permanence). Ist das Bedürfnis nach Geschlossenheit hoch ausgeprägt, sinkt die Bereitschaft, alternative Erklärungen zu prüfen, während einfache, in sich geschlossene Erklärungen an Attraktivität gewinnen. Das Konzept geht maßgeblich auf Arie Kruglanski zurück und gilt als individuelle Eigenschaft, die zugleich situativ verstärkt werden kann, etwa unter Zeitdruck oder in unsicheren Lagen.