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Migration & Asyl

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Fakt

Die Mehrheit der in Deutschland registrierten Tatverdächtigen sind deutsche Staatsbürger. Nichtdeutsche sind bei einigen Delikten überrepräsentiert, das erklärt sich aber wesentlich durch Faktoren wie eine jüngere, stärker männliche Altersstruktur, Wohnort in Städten und soziale Lage. Werden diese Faktoren berücksichtigt, schrumpfen die Unterschiede stark. Zudem enthält die Statistik ausländerspezifische Delikte wie Verstöße gegen das Aufenthaltsrecht, die Deutsche gar nicht begehen können.

Psychologischer Hintergrund

Verfügbarkeitsheuristik

Straftaten mit nichtdeutschen Tatverdächtigen werden in Medien und Alltagsgesprächen oft besonders auffällig verhandelt, wodurch entsprechende Beispiele leichter abrufbar sind als die weitaus häufigeren, aber weniger auffällig diskutierten Straftaten deutscher Tatverdächtiger. Das erzeugt eine verzerrte Einschätzung der tatsächlichen Verhältnisse, während laut Kriminalstatistik die Mehrheit der Tatverdächtigen deutsche Staatsbürger sind.

Die Verfügbarkeitsheuristik beschreibt die Tendenz, die Häufigkeit oder Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses danach einzuschätzen, wie leicht einem passende Beispiele dafür einfallen. Ereignisse, die emotional einprägsam, kürzlich erlebt oder medial präsent sind, wirken dadurch häufiger oder wahrscheinlicher, als sie tatsächlich sind. Der Mechanismus wurde von den Psychologen Amos Tversky und Daniel Kahneman beschrieben und zählt zu den grundlegenden kognitiven Heuristiken, mit denen Menschen unter Unsicherheit schnelle Urteile fällen. Da seltene, aber auffällige Ereignisse leichter abrufbar sind als häufige, aber unauffällige, führt die Heuristik systematisch zu Fehleinschätzungen von Risiken.

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Fakt

Der sogenannte Große Austausch ist eine rechtsextreme Verschwörungserzählung, für die es keinen Beleg gibt. Migration folgt vielen unabhängigen Faktoren wie Kriegen, Arbeitsmärkten und Familienzusammenführung, nicht einem geheimen Plan. Die Bevölkerung verändert sich durch Geburten, Sterbefälle sowie Zu- und Abwanderung, ein zentral gesteuerter Austausch existiert nicht. Der Verfassungsschutz ordnet die Erzählung dem Rechtsextremismus zu. Auch die Begriffe dieser Erzählung sind dokumentiert. „Umvolkung“ und „Großer Austausch“ gehören zum festen Bestand der neuen Rechten und ersetzen ältere Formeln, ohne deren Inhalt zu ändern. Wer sie benutzt, übernimmt eine Deutung, keine Beobachtung.

Psychologischer Hintergrund

Illusorische Musterwahrnehmung (Apophänie)

Die Parole deutet unabhängige, unzusammenhängende Ursachen von Migration wie Kriege, Arbeitsmärkte und Familiennachzug zu einem einzigen, absichtsvoll gesteuerten Plan der Regierung um. Genau dieses Erkennen einer verborgenen, koordinierten Absicht hinter eigentlich chaotischen Einzelvorgängen ist der Kern der illusorischen Musterwahrnehmung, die sich nachweislich verstärkt, wenn Menschen das Gefühl von Kontrolle über gesellschaftlichen Wandel verlieren.

Menschen neigen dazu, in zufälligen oder unzusammenhängenden Informationen bedeutungsvolle Muster und Zusammenhänge zu erkennen, auch wenn keine existieren. Besonders ausgeprägt ist diese Tendenz, wenn Menschen das Gefühl von Kontrolle über ihre Lebenssituation verlieren. Kontrollverlust erhöht nachweislich die Neigung, Bilder in Zufallsrauschen zu sehen, Verschwörungen zu vermuten oder Aberglauben zu entwickeln. Der Mechanismus dient dabei offenbar dazu, ein Gefühl von Ordnung und Vorhersagbarkeit wiederherzustellen.

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Fakt

Geflüchtete aus der Ukraine erhalten Grundsicherung auf dem Niveau einheimischer Bedürftiger, kein Luxusgeld. Wer ein Auto besitzt, hat es meist aus der Heimat mitgebracht, das ist kein Zeichen von Reichtum. Kurze Reisen in die Ukraine sind rechtlich möglich, widerlegen aber die Fluchtgründe nicht, viele besuchen Angehörige in umkämpften Regionen. Der Begriff Sozialtourismus ist ein abwertender Kampfbegriff ohne statistische Grundlage.

Psychologischer Hintergrund

Suendenbock-Mechanismus unter relativer Deprivation

Die Bilder von SUVs und Kurzflügen sollen belegen, dass Ukrainer den Sozialstaat unberechtigt ausnutzen, während die eigene wirtschaftliche Lage angespannt bleibt. Reale strukturelle Probleme wie Wohnungsnot oder Inflation werden so auf eine vergleichsweise schwache, greifbare Gruppe verschoben, die tatsächlich nur reguläre Grundsicherung auf dem Niveau einheimischer Bedürftiger erhält.

Relative Deprivation bezeichnet das Gefuehl, im Vergleich zu einer Referenzgruppe oder zu den eigenen Erwartungen benachteiligt zu sein, unabhaengig von der tatsaechlichen materiellen Lage. Dieses Gefuehl erzeugt Frustration, die sich nach der Theorie der Suendenbocksuche nicht gegen die eigentliche, oft zu maechtige oder zu diffuse Ursache richtet, sondern auf ein schwaecheres, greifbares Ziel verschoben wird. Historisch und empirisch zeigt sich dieses Muster besonders in Phasen wirtschaftlicher Unsicherheit, wenn eine erkennbar andere und wenig durchsetzungsfaehige Gruppe fuer Probleme verantwortlich gemacht wird, die tatsaechlich strukturelle oder komplexe Ursachen haben. Die Schuldzuweisung schuetzt dabei das eigene Selbstbild, weil Rueckschlaege extern statt in der eigenen Verantwortung verortet werden.

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Fakt

In Deutschland gilt ausschließlich das im Grundgesetz verankerte staatliche Recht, die Einführung der Scharia als Rechtsordnung ist ausgeschlossen und steht nicht zur Debatte. Menschen mit Migrationshintergrund sind ein fester Teil der Gesellschaft, viele sind hier geboren und deutsche Staatsbürger. Mehrsprachigkeit im Alltag ist kein Zeichen eines Untergangs, sondern in Einwanderungsgesellschaften normal. Der Begriff Überfremdung stammt aus dem rechtsextremen Sprachgebrauch und wurde zum Unwort erklärt.

Psychologischer Hintergrund

Statusbedrohung

Die Formulierung 'Fremde im eigenen Land' beschreibt kein konkretes Ereignis, sondern den gefühlten Verlust der eigenen kulturellen Vormachtstellung durch demografischen und sprachlichen Wandel. Die Zuspitzung auf eine angeblich drohende Scharia-Herrschaft macht diesen empfundenen Bedeutungsverlust der eigenen Gruppe zu einer konkret benannten, dramatisch zugespitzten Bedrohung.

Statusbedrohung beschreibt die Furcht traditionell bevorzugter gesellschaftlicher Gruppen, ihre relative Position in der sozialen Hierarchie zu verlieren. Diese Angst entsteht nicht zwingend durch eigene wirtschaftliche Not, sondern durch die Wahrnehmung, dass frühere Vorrechte durch demografischen Wandel, wachsende Vielfalt oder einen Bedeutungsverlust der eigenen Gruppe schwinden. Wer sich im eigenen Status bedroht fühlt, ist empfänglicher für politische Botschaften, die diesen vermeintlichen Abstieg klar benennen und einer Gruppe zuschreiben. In Studien erwies sich dieser Effekt bei entsprechendem Wahlverhalten als stärker denn rein ökonomische Erklärungen.

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Fakt

Der weitaus größte Teil der Geflüchteten weltweit lebt nicht in Deutschland, sondern in ärmeren Nachbarländern der Krisenregionen, etwa in der Türkei, im Iran, in Kolumbien oder Uganda. Deutschland nimmt im EU-Vergleich zwar viele Menschen auf, gemessen an der Bevölkerung liegen aber mehrere Länder höher. Nach UN-Angaben beherbergen Entwicklungsländer die Mehrheit der Flüchtlinge. Von einer alleinigen deutschen Last kann daher keine Rede sein.

Psychologischer Hintergrund

Kollektiver Narzissmus

Die Parole zeichnet Deutschland als einzigartig aufopferungsvoll, das 'die ganze Welt' allein trägt, obwohl laut UN-Zahlen tatsächlich ärmere Nachbarländer der Krisenregionen die meisten Geflüchteten aufnehmen. Diese Selbstüberhöhung als übermäßig belasteter, aber angeblich nicht ausreichend gewürdigter Sonderfall ist kennzeichnend für kollektiven Narzissmus, der besonders empfindlich auf ausbleibende Anerkennung reagiert.

Kollektiver Narzissmus, ein Konzept der Sozialpsychologin Agnieszka Golec de Zavala, beschreibt eine emotionale Investition in die unrealistische Ueberzeugung, die eigene Gruppe sei aussergewoehnlich und verdiene besondere Anerkennung, die ihr von aussen jedoch verweigert wird. Anders als ein gesundes, stabiles Gruppenselbstwertgefuehl geht kollektiver Narzissmus mit staendiger Wachsamkeit gegenueber vermeintlichen Kraenkungen und Bedrohungen der Gruppe einher. Empirisch sagt kollektiver Narzissmus, nicht aber individueller Narzissmus, Aggression gegenueber Fremdgruppen voraus, vermittelt ueber wahrgenommene Bedrohung von aussen und wahrgenommene Beleidigung der Eigengruppe. Dadurch werden selbst kleinere Kritik oder ausbleibende Anerkennung leicht als feindlicher Angriff gedeutet, was die Bereitschaft erhoeht, kompromisslose oder aggressive Erklaerungen und Reaktionen zu akzeptieren.

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Fakt

Arbeitsmarktforschung zeigt, dass Zuwanderung die Gesamtzahl der Arbeitsplätze nicht verringert, weil Zugewanderte auch konsumieren, Steuern zahlen und neue Nachfrage schaffen. In vielen Branchen fehlen Fachkräfte, sodass Zuwanderung Engpässe abmildert. Die Erwerbstätigenzahl in Deutschland ist trotz jahrzehntelanger Zuwanderung auf Rekordniveau gestiegen. Untersucht ist das auch außerhalb der amtlichen Statistik: Eine Auswertung deutscher Registerdaten von 1975 bis 1997 am Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit findet keinen belastbaren negativen Effekt auf Verdienst und Beschäftigung einheimischer Männer. Ein um zehn Prozent höherer Anteil Zugewanderter an der Erwerbsbevölkerung senkt demnach die Löhne um weniger als ein Prozent und erhöht die Arbeitslosigkeit nicht. Die Studie hält zugleich fest, dass die Effekte für geringer Qualifizierte und ältere Beschäftigte stärker ausfallen; wer dort betroffen ist, hat also einen realen Punkt, nur nicht den behaupteten.

Psychologischer Hintergrund

Suendenbock-Mechanismus unter relativer Deprivation

Die Parole verschiebt die Frustration über komplexe, strukturelle Ursachen des Arbeitsmarkts wie Digitalisierung oder Fachkräftemangel pauschal auf eine sichtbare, schwächere Gruppe. Der Faktencheck selbst hält fest, dass die zitierte Studie für gering Qualifizierte und ältere Beschäftigte etwas stärkere Effekte findet, für die Gesamtbevölkerung aber weder nennenswerte Lohnverluste noch einen Anstieg der Arbeitslosigkeit. Die Parole überträgt diesen begrenzten, vorsichtig formulierten Befund pauschal auf 'die Ausländer' insgesamt als Ursache für Jobverlust. Das ist das klassische Muster, bei dem diffuse wirtschaftliche Verunsicherung auf ein greifbares, machtloses Ziel umgelenkt wird, statt auf die eigentlichen, komplexeren Ursachen.

Relative Deprivation bezeichnet das Gefuehl, im Vergleich zu einer Referenzgruppe oder zu den eigenen Erwartungen benachteiligt zu sein, unabhaengig von der tatsaechlichen materiellen Lage. Dieses Gefuehl erzeugt Frustration, die sich nach der Theorie der Suendenbocksuche nicht gegen die eigentliche, oft zu maechtige oder zu diffuse Ursache richtet, sondern auf ein schwaecheres, greifbares Ziel verschoben wird. Historisch und empirisch zeigt sich dieses Muster besonders in Phasen wirtschaftlicher Unsicherheit, wenn eine erkennbar andere und wenig durchsetzungsfaehige Gruppe fuer Probleme verantwortlich gemacht wird, die tatsaechlich strukturelle oder komplexe Ursachen haben. Die Schuldzuweisung schuetzt dabei das eigene Selbstbild, weil Rueckschlaege extern statt in der eigenen Verantwortung verortet werden.

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Fakt

Ob der Islam zu Deutschland gehört, ist zunächst eine politische Positionierung und keine überprüfbare Tatsachenbehauptung: Bundesinnenminister Horst Seehofer vertrat die gegenteilige These 2018, während sein Amtsvorgänger Wolfgang Schäuble den Islam bereits 2006 zur Eröffnung der Deutschen Islamkonferenz ausdrücklich als Teil Deutschlands bezeichnet hatte und Kanzlerin Angela Merkel Seehofer damals öffentlich widersprach. Verfassungsrechtlich ist die Frage unabhängig davon geklärt: Artikel 4 Grundgesetz schützt die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses für alle Glaubensrichtungen gleichermaßen. Der faktische Kern der Parole, es gebe keine relevante muslimische Bevölkerung oder Geschichte in Deutschland, trifft nicht zu: Nach der bislang letzten großen Erhebung des BAMF-Forschungszentrums im Auftrag der Deutschen Islamkonferenz lebten 2019 zwischen 5,3 und 5,6 Millionen muslimische Religionsangehörige in Deutschland, rund 6,4 bis 6,7 Prozent der Bevölkerung. Organisiertes muslimisches Leben reicht bis in die 1920er Jahre zurück, als in Berlin-Wilmersdorf eine der ersten Moscheegemeinden entstand, und wuchs ab dem Anwerbeabkommen zwischen der Bundesrepublik und der Türkei von 1961 deutlich.

Psychologischer Hintergrund

Eigengruppenbevorzugung (soziale Identitaetstheorie)

Die Parole zieht eine klare Grenze zwischen einer als homogen imaginierten, christlich-abendländisch geprägten Eigengruppe und einer muslimischen Fremdgruppe, die als nicht zugehörig markiert wird. Wer sich mit dieser Eigengruppe identifiziert, wertet sie damit implizit auf und die Fremdgruppe ab, unabhängig davon, wie lange Musliminnen und Muslime bereits in Deutschland leben oder wie unstrittig ihre Religionsfreiheit verfassungsrechtlich ist. Für diesen Mechanismus zählt vor allem die symbolische Markierung von Zugehörigkeit, nicht die tatsächliche Größe oder Geschichte der muslimischen Bevölkerung, die durch die Parole gerade unsichtbar gemacht wird.

Nach der sozialen Identitaetstheorie von Henri Tajfel und John Turner beziehen Menschen einen Teil ihres Selbstwertgefuehls aus der Zugehoerigkeit zu Gruppen. Schon die blosse Einteilung in eine Eigengruppe und eine Fremdgruppe reicht aus, damit Mitglieder die eigene Gruppe bevorzugen und positiver bewerten, auch wenn die Gruppenzugehoerigkeit voellig willkuerlich zustande kam. Tajfels Experimente mit dem sogenannten Minimal-Group-Paradigma zeigten, dass Versuchspersonen ihrer Eigengruppe selbst dann mehr Punkte zuteilten, wenn dies der eigenen Gruppe insgesamt schadete, solange der Abstand zur Fremdgruppe dadurch groesser wurde. Dieser Mechanismus macht Aussagen, die die eigene Gruppe aufwerten oder eine Fremdgruppe abwerten, besonders leicht annehmbar, unabhaengig von ihrem Wahrheitsgehalt.

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Fakt

Asylsuchende erhalten Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz, die knapp bemessen sind und oft als Sachleistungen oder über eine Bezahlkarte ausgegeben werden. Ein kostenloses neuestes Smartphone oder eine bevorzugte Traumwohnung ist nicht vorgesehen. Viele leben zunächst in Gemeinschaftsunterkünften. Die Vorstellung, ihnen werde alles hinterhergeworfen, entspricht nicht der Rechtslage.

Psychologischer Hintergrund

Wahrheitseffekt durch Wiederholung

Diese Behauptung kursiert seit Jahren als wiederholt erzähltes Gerücht, meist ohne dass ein konkreter Einzelfall belegt wird. Gerade weil die Geschichte vom geschenkten iPhone in Gesprächen und sozialen Medien immer wieder auftaucht, wirkt sie vertraut und dadurch glaubwürdiger, obwohl die Rechtslage mit knappen Sachleistungen und Bezahlkarte nach dem Asylbewerberleistungsgesetz das Gegenteil zeigt.

Der Wahrheitseffekt beschreibt, dass wiederholt gehörte Aussagen als wahrer eingeschätzt werden als neue, unabhängig von ihrem tatsächlichen Wahrheitsgehalt. Verantwortlich dafür ist vermutlich die kognitive Verarbeitungsflüssigkeit, mit der eine vertraute Aussage verarbeitet wird und die unbewusst als Hinweis auf Wahrheit gedeutet wird. Der Effekt tritt auch bei Falschmeldungen, Verschwörungserzählungen und Aussagen auf, die dem eigenen Vorwissen widersprechen. Bereits die zweite Wiederholung einer Aussage bringt den größten Zuwachs an gefühlter Glaubwürdigkeit, weitere Wiederholungen wirken schwächer nach.

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Fakt

„Remigration“ bezeichnet im Sprachgebrauch der Neuen Rechten und Teilen der AfD nicht nur die Abschiebung ausreisepflichtiger Personen, sondern laut dem beim Potsdamer Treffen im November 2023 vorgestellten Konzept des Rechtsextremisten Martin Sellner auch die Rückführung „nicht assimilierter“ deutscher Staatsbürger mit Migrationshintergrund, unterschieden nach einer angeblichen „ethnokulturellen Identität“ statt nach Aufenthaltsstatus. Verfassungsrechtlich ist das nicht umsetzbar: Artikel 16 Absatz 1 Grundgesetz verbietet die Entziehung der deutschen Staatsangehörigkeit; ein Verlust ist nur auf Grund eines Gesetzes und, gegen den Willen der betroffenen Person, nur dann möglich, wenn diese dadurch nicht staatenlos wird. Das Bundesverwaltungsgericht bewertete Sellners „Remigrationskonzept“ in seinem Urteil vom Juni 2025 ausdrücklich als menschenwürdewidrig, weil es deutsche Staatsangehörige mit Migrationshintergrund zu Staatsbürgern zweiter Klasse mache. An dem von Correctiv aufgedeckten Treffen nahmen unter anderem die AfD-Bundestagsabgeordnete Gerrit Huy, der sachsen-anhaltische Fraktionschef Ulrich Siegmund und Roland Hartwig teil, damals persönlicher Referent von Parteichefin Alice Weidel. Die AfD-Parteiführung erklärte danach, die dort vorgestellten Pläne seien keine Parteiposition.

Psychologischer Hintergrund

Statusbedrohung

Die Forderung nach Remigration verspricht, einen als bedrohlich empfundenen demografischen und kulturellen Wandel rückgängig zu machen, indem sie Zugehörigkeit zur Eigengruppe nicht über Staatsbürgerschaft, sondern über Herkunft und Kultur definiert. Wer den eigenen gesellschaftlichen Status durch wachsende Vielfalt gefährdet sieht, findet darin einen klar benannten Verantwortlichen und eine ebenso klare, wenn auch verfassungswidrige, Lösung. Gerade weil das Konzept laut Bundesverwaltungsgericht explizit auch deutsche Staatsbürger mit Migrationshintergrund einschließt, macht es Herkunft statt Rechtsstatus zum entscheidenden Statusmerkmal und spricht damit die Angst vor Statusverlust besonders direkt an.

Statusbedrohung beschreibt die Furcht traditionell bevorzugter gesellschaftlicher Gruppen, ihre relative Position in der sozialen Hierarchie zu verlieren. Diese Angst entsteht nicht zwingend durch eigene wirtschaftliche Not, sondern durch die Wahrnehmung, dass frühere Vorrechte durch demografischen Wandel, wachsende Vielfalt oder einen Bedeutungsverlust der eigenen Gruppe schwinden. Wer sich im eigenen Status bedroht fühlt, ist empfänglicher für politische Botschaften, die diesen vermeintlichen Abstieg klar benennen und einer Gruppe zuschreiben. In Studien erwies sich dieser Effekt bei entsprechendem Wahlverhalten als stärker denn rein ökonomische Erklärungen.

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Fakt

Bundeskanzler Friedrich Merz sagte am 14. Oktober 2025 bei einem Antrittsbesuch in Brandenburg, man habe bei der Migration Fortschritte gemacht, aber es gebe 'natürlich immer im Stadtbild noch dieses Problem', weshalb der Bundesinnenminister weiter in großem Umfang Rückführungen ermögliche. Auf Nachfragen konkretisierte er die Aussage acht Tage später in London: Gemeint seien Migranten ohne Aufenthaltsrecht und Arbeit, die sich nicht an geltende Regeln hielten, und er verband dies mit der Behauptung, viele Menschen trauten sich deshalb nicht mehr, sich frei im öffentlichen Raum zu bewegen. Kritik kam auch aus der eigenen Partei: Der Vorsitzende des CDU-Sozialflügels, Dennis Radtke, wandte ein, Probleme wie Drogensucht oder Jugendgewalt ließen sich nicht einfach 'abschieben', SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf nannte die Aussage 'schwer erträglich', und in mehreren Städten protestierten Tausende unter Slogans wie 'Wir sind das Stadtbild'. Das subjektive Sicherheitsgefühl korreliert dabei nachweislich schlecht mit der tatsächlichen Kriminalitätsentwicklung: Die Polizeiliche Kriminalstatistik des BKA registrierte 2024 mit 5.837.445 Straftaten 1,7 Prozent weniger als 2023, aber 7,4 Prozent mehr als im letzten Jahr vor der Pandemie 2019, während unabhängige kriminologische Forschung zeigt, dass deutlich mehr Menschen Angst vor Kriminalität haben, als es tatsächlich Opfer gibt. Die Parole vermischt zudem zwei verschiedene Dinge: Sichtbare Vielfalt wie neue Geschäfte, andere Kleidung oder fremde Sprachen auf der Straße ist etwas anderes als die reale Sicherheitslage, die sich an Fallzahlen bemisst und nicht am äußeren Erscheinungsbild einer Stadt.

Psychologischer Hintergrund

Verfügbarkeitsheuristik

Auffällige Einzelbeobachtungen im öffentlichen Raum, etwa an einem Bahnhof oder auf einem Platz, bleiben im Gedächtnis viel griffiger haften als abstrakte Jahresstatistiken wie die Polizeiliche Kriminalstatistik. Nach der Verfügbarkeitsheuristik von Tversky und Kahneman schätzen Menschen die Häufigkeit eines Ereignisses danach ein, wie leicht ihnen passende Beispiele einfallen, nicht danach, wie oft es tatsächlich vorkommt. Sichtbar anderes Straßenbild wie neue Geschäfte, andere Kleidung oder fremde Sprachen liefert dafür besonders leicht abrufbare, emotional aufgeladene Beispiele und wird so unabhängig von der tatsächlichen Kriminalitätsentwicklung als Bedrohung gedeutet. Merz' Bezug auf das 'Stadtbild' erklärt genau diesen diffusen Eindruck zum politischen Maßstab, statt sich auf die tatsächlichen PKS-Zahlen zu stützen.

Die Verfügbarkeitsheuristik beschreibt die Tendenz, die Häufigkeit oder Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses danach einzuschätzen, wie leicht einem passende Beispiele dafür einfallen. Ereignisse, die emotional einprägsam, kürzlich erlebt oder medial präsent sind, wirken dadurch häufiger oder wahrscheinlicher, als sie tatsächlich sind. Der Mechanismus wurde von den Psychologen Amos Tversky und Daniel Kahneman beschrieben und zählt zu den grundlegenden kognitiven Heuristiken, mit denen Menschen unter Unsicherheit schnelle Urteile fällen. Da seltene, aber auffällige Ereignisse leichter abrufbar sind als häufige, aber unauffällige, führt die Heuristik systematisch zu Fehleinschätzungen von Risiken.

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Fakt

Nicht-Staatsbürger dürfen bei US-Bundeswahlen nicht wählen, ein Verstoß ist eine Straftat und führt zu Ausweisung. Untersuchungen zeigen, dass illegale Stimmabgabe durch Nicht-Bürger extrem selten ist und Wahlergebnisse nicht beeinflusst. Migration entsteht durch Flucht, Arbeit und Familie, nicht durch einen Plan zur Wählerbeschaffung. Die Erzählung ist eine US-Variante des widerlegten Großen Austauschs.

Psychologischer Hintergrund

Motiviertes Schlussfolgern

Die Behauptung erklärt unliebsame Wahlergebnisse nicht durch legitime politische Mehrheiten, sondern durch einen angeblich organisierten Betrug, was den Glauben an eine eigentlich vorhandene eigene 'wahre' Mehrheit schützt. Klare Gegenbelege wie das geltende Wahlrecht und die Strafbarkeit von Wahlfälschung werden dabei beiseitegeschoben, weil die Erzählung primär dem Erhalt der eigenen politischen Identität dient, nicht der Tatsachenfeststellung.

Menschen bewerten Informationen und Belege nicht rein sachlich, sondern auch danach, ob eine Schlussfolgerung die Zugehörigkeit zu einer wichtigen sozialen, politischen oder kulturellen Gruppe bestätigt oder bedroht. Widerspricht eine Tatsache den Überzeugungen der eigenen Gruppe, werden Belege eher angezweifelt, uminterpretiert oder abgewertet, und zwar auch von Personen mit hoher analytischer Fähigkeit. Dieses als motiviertes Schlussfolgern oder identitätsschützende Kognition bezeichnete Muster bedeutet, dass Denken nicht primär der Wahrheitsfindung dient, sondern dem Erhalt der Zugehörigkeit zur eigenen Gruppe. Besonders ausgeprägt zeigt sich der Effekt bei Themen, die stark mit politischer oder kultureller Identität verknüpft sind.