Arbeitsmarktforschung zeigt, dass Zuwanderung die Gesamtzahl der Arbeitsplätze nicht verringert, weil Zugewanderte auch konsumieren, Steuern zahlen und neue Nachfrage schaffen. In vielen Branchen fehlen Fachkräfte, sodass Zuwanderung Engpässe abmildert. Die Erwerbstätigenzahl in Deutschland ist trotz jahrzehntelanger Zuwanderung auf Rekordniveau gestiegen. Untersucht ist das auch außerhalb der amtlichen Statistik: Eine Auswertung deutscher Registerdaten von 1975 bis 1997 am Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit findet keinen belastbaren negativen Effekt auf Verdienst und Beschäftigung einheimischer Männer. Ein um zehn Prozent höherer Anteil Zugewanderter an der Erwerbsbevölkerung senkt demnach die Löhne um weniger als ein Prozent und erhöht die Arbeitslosigkeit nicht. Die Studie hält zugleich fest, dass die Effekte für geringer Qualifizierte und ältere Beschäftigte stärker ausfallen; wer dort betroffen ist, hat also einen realen Punkt, nur nicht den behaupteten.
Suendenbock-Mechanismus unter relativer Deprivation
Die Parole verschiebt die Frustration über komplexe, strukturelle Ursachen des Arbeitsmarkts wie Digitalisierung oder Fachkräftemangel pauschal auf eine sichtbare, schwächere Gruppe. Der Faktencheck selbst hält fest, dass die zitierte Studie für gering Qualifizierte und ältere Beschäftigte etwas stärkere Effekte findet, für die Gesamtbevölkerung aber weder nennenswerte Lohnverluste noch einen Anstieg der Arbeitslosigkeit. Die Parole überträgt diesen begrenzten, vorsichtig formulierten Befund pauschal auf 'die Ausländer' insgesamt als Ursache für Jobverlust. Das ist das klassische Muster, bei dem diffuse wirtschaftliche Verunsicherung auf ein greifbares, machtloses Ziel umgelenkt wird, statt auf die eigentlichen, komplexeren Ursachen.
Relative Deprivation bezeichnet das Gefuehl, im Vergleich zu einer Referenzgruppe oder zu den eigenen Erwartungen benachteiligt zu sein, unabhaengig von der tatsaechlichen materiellen Lage. Dieses Gefuehl erzeugt Frustration, die sich nach der Theorie der Suendenbocksuche nicht gegen die eigentliche, oft zu maechtige oder zu diffuse Ursache richtet, sondern auf ein schwaecheres, greifbares Ziel verschoben wird. Historisch und empirisch zeigt sich dieses Muster besonders in Phasen wirtschaftlicher Unsicherheit, wenn eine erkennbar andere und wenig durchsetzungsfaehige Gruppe fuer Probleme verantwortlich gemacht wird, die tatsaechlich strukturelle oder komplexe Ursachen haben. Die Schuldzuweisung schuetzt dabei das eigene Selbstbild, weil Rueckschlaege extern statt in der eigenen Verantwortung verortet werden.