Die Mehrheit der in Deutschland registrierten Tatverdächtigen sind deutsche Staatsbürger. Nichtdeutsche sind bei einigen Delikten überrepräsentiert, das erklärt sich aber wesentlich durch Faktoren wie eine jüngere, stärker männliche Altersstruktur, Wohnort in Städten und soziale Lage. Werden diese Faktoren berücksichtigt, schrumpfen die Unterschiede stark. Zudem enthält die Statistik ausländerspezifische Delikte wie Verstöße gegen das Aufenthaltsrecht, die Deutsche gar nicht begehen können.
Verfügbarkeitsheuristik
Straftaten mit nichtdeutschen Tatverdächtigen werden in Medien und Alltagsgesprächen oft besonders auffällig verhandelt, wodurch entsprechende Beispiele leichter abrufbar sind als die weitaus häufigeren, aber weniger auffällig diskutierten Straftaten deutscher Tatverdächtiger. Das erzeugt eine verzerrte Einschätzung der tatsächlichen Verhältnisse, während laut Kriminalstatistik die Mehrheit der Tatverdächtigen deutsche Staatsbürger sind.
Die Verfügbarkeitsheuristik beschreibt die Tendenz, die Häufigkeit oder Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses danach einzuschätzen, wie leicht einem passende Beispiele dafür einfallen. Ereignisse, die emotional einprägsam, kürzlich erlebt oder medial präsent sind, wirken dadurch häufiger oder wahrscheinlicher, als sie tatsächlich sind. Der Mechanismus wurde von den Psychologen Amos Tversky und Daniel Kahneman beschrieben und zählt zu den grundlegenden kognitiven Heuristiken, mit denen Menschen unter Unsicherheit schnelle Urteile fällen. Da seltene, aber auffällige Ereignisse leichter abrufbar sind als häufige, aber unauffällige, führt die Heuristik systematisch zu Fehleinschätzungen von Risiken.
Beleg zu diesem Mechanismus: