Der sogenannte Große Austausch ist eine rechtsextreme Verschwörungserzählung, für die es keinen Beleg gibt. Migration folgt vielen unabhängigen Faktoren wie Kriegen, Arbeitsmärkten und Familienzusammenführung, nicht einem geheimen Plan. Die Bevölkerung verändert sich durch Geburten, Sterbefälle sowie Zu- und Abwanderung, ein zentral gesteuerter Austausch existiert nicht. Der Verfassungsschutz ordnet die Erzählung dem Rechtsextremismus zu. Auch die Begriffe dieser Erzählung sind dokumentiert. „Umvolkung“ und „Großer Austausch“ gehören zum festen Bestand der neuen Rechten und ersetzen ältere Formeln, ohne deren Inhalt zu ändern. Wer sie benutzt, übernimmt eine Deutung, keine Beobachtung.
Illusorische Musterwahrnehmung (Apophänie)
Die Parole deutet unabhängige, unzusammenhängende Ursachen von Migration wie Kriege, Arbeitsmärkte und Familiennachzug zu einem einzigen, absichtsvoll gesteuerten Plan der Regierung um. Genau dieses Erkennen einer verborgenen, koordinierten Absicht hinter eigentlich chaotischen Einzelvorgängen ist der Kern der illusorischen Musterwahrnehmung, die sich nachweislich verstärkt, wenn Menschen das Gefühl von Kontrolle über gesellschaftlichen Wandel verlieren.
Menschen neigen dazu, in zufälligen oder unzusammenhängenden Informationen bedeutungsvolle Muster und Zusammenhänge zu erkennen, auch wenn keine existieren. Besonders ausgeprägt ist diese Tendenz, wenn Menschen das Gefühl von Kontrolle über ihre Lebenssituation verlieren. Kontrollverlust erhöht nachweislich die Neigung, Bilder in Zufallsrauschen zu sehen, Verschwörungen zu vermuten oder Aberglauben zu entwickeln. Der Mechanismus dient dabei offenbar dazu, ein Gefühl von Ordnung und Vorhersagbarkeit wiederherzustellen.