Schulen führen keine geschlechtsangleichenden Operationen durch, das wäre rechtlich und medizinisch unmöglich. Solche Behandlungen bei Minderjährigen sind streng geregelt, erfordern medizinische Begleitung und in aller Regel die Einbindung der Eltern. Auch die Behauptung, Kindern werde im Kindergarten Pornografie gezeigt, ist unbelegt. Die Erzählung überzeichnet Debatten um Lehrpläne zu einer erfundenen Zwangsmaßnahme.
Negativitätsverzerrung
Eine Behauptung über heimliche Operationen an Kindern ist maximal alarmierend und erzeugt automatisch starke Aufmerksamkeit und Besorgnis, unabhängig von der tatsächlichen Beleglage. Diese hochemotionale, kinderbezogene Bedrohungsbehauptung wirkt dadurch glaubwürdiger als die nüchterne Rechtslage, die Eingriffe an Minderjährigen ohne elterliche Einwilligung ohnehin ausschließt.
Die Negativitätsverzerrung beschreibt die Tendenz, negativen Informationen, Ereignissen und Erfahrungen mehr Gewicht zu geben als positiven von vergleichbarer Intensität. Negative Reize werden schneller wahrgenommen, stärker beachtet und länger erinnert als positive, dieser Effekt zeigt sich bereits im Säuglingsalter. Er gilt als evolutionär erklärbar, weil das rechtzeitige Erkennen von Gefahren überlebenswichtiger war als das Erkennen positiver Gelegenheiten. In der Nachrichtennutzung führt die Verzerrung dazu, dass bedrohliche oder alarmierende Meldungen besonders viel Aufmerksamkeit und gefühlte Glaubwürdigkeit erhalten.
Beleg zu diesem Mechanismus:
- Not All Emotions Are Created Equal: The Negativity Bias in Social-Emotional Development (Psychological Bulletin, via PMC (National Library of Medicine), 2008)
- Cross-national evidence of a negativity bias in psychophysiological reactions to news (Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS), via PMC, 2019)