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Parole

Russland verteidigt sich nur im Ukraine-Krieg

Fakt

Völkerrechtlich ist das entschieden, und zwar von zwei Stellen. Die UN-Generalversammlung verurteilte den Einmarsch am 2. März 2022 mit 141 Stimmen ausdrücklich als Aggression und forderte den sofortigen, vollständigen Abzug der russischen Truppen. Der Internationale Gerichtshof ordnete am 16. März 2022 an, Russland habe die am 24. Februar 2022 begonnene Militäroperation unverzüglich einzustellen. Eine Verteidigung liegt nicht vor, wenn ein Staat die Truppen ins Nachbarland schickt und das oberste Gericht der Vereinten Nationen ihn auffordert, damit aufzuhören.

Psychologischer Hintergrund

Motiviertes Schlussfolgern

Die UN-Generalversammlung bezeichnete den russischen Angriff in ihrer Resolution vom 2. März 2022 ausdrücklich als Aggression, und der Internationale Gerichtshof ordnete am 16. März 2022 an, dass Russland die am 24. Februar 2022 begonnenen Militäroperationen sofort einzustellen habe, nachdem er für Russlands Genozid-Rechtfertigung keine tragfähige Grundlage fand. Wer die Parole von der reinen Verteidigung dennoch übernimmt, deutet diese klaren internationalen Einordnungen um, weil ihre Anerkennung der eigenen pro-russischen oder anti-westlichen politischen Identität widersprechen würde.

Menschen bewerten Informationen und Belege nicht rein sachlich, sondern auch danach, ob eine Schlussfolgerung die Zugehörigkeit zu einer wichtigen sozialen, politischen oder kulturellen Gruppe bestätigt oder bedroht. Widerspricht eine Tatsache den Überzeugungen der eigenen Gruppe, werden Belege eher angezweifelt, uminterpretiert oder abgewertet, und zwar auch von Personen mit hoher analytischer Fähigkeit. Dieses als motiviertes Schlussfolgern oder identitätsschützende Kognition bezeichnete Muster bedeutet, dass Denken nicht primär der Wahrheitsfindung dient, sondern dem Erhalt der Zugehörigkeit zur eigenen Gruppe. Besonders ausgeprägt zeigt sich der Effekt bei Themen, die stark mit politischer oder kultureller Identität verknüpft sind.