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Geschichte & NS-Zeit

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Fakt

Auch die Alliierten setzten im Krieg Mittel ein, die kritisch aufgearbeitet werden, etwa den Bombenkrieg gegen deutsche Städte, und die Verbrechen des Stalinismus sind unbestritten. Das relativiert aber nicht den fabrikmäßig organisierten Völkermord der Nationalsozialisten an sechs Millionen Juden und weiteren Millionen Menschen. Der industrielle, planvolle Massenmord an ganzen Bevölkerungsgruppen hat in dieser Form keine Entsprechung. Der Hinweis auf andere Verbrechen dient hier vor allem dem Ablenken vom eigentlichen Thema.

Psychologischer Hintergrund

Eigengruppenbevorzugung (soziale Identitaetstheorie)

Indem Verbrechen der Alliierten und des Stalinismus neben den Holocaust gestellt werden, wird nicht die einzelne Tat gepruedigt, sondern der relative Abstand zwischen der eigenen historischen Gruppe und den Vergleichsgruppen verkleinert. Diese Strategie, die eigene Gruppe durch Herabstufung der anderen relativ besser aussehen zu lassen, folgt derselben Logik wie im Minimal-Group-Paradigma und lenkt vom fabrikmaessig organisierten, industriellen Massenmord des Holocaust ab, der sich von Kriegsverbrechen und Straflagern in Zielsetzung und Systematik unterscheidet.

Nach der sozialen Identitaetstheorie von Henri Tajfel und John Turner beziehen Menschen einen Teil ihres Selbstwertgefuehls aus der Zugehoerigkeit zu Gruppen. Schon die blosse Einteilung in eine Eigengruppe und eine Fremdgruppe reicht aus, damit Mitglieder die eigene Gruppe bevorzugen und positiver bewerten, auch wenn die Gruppenzugehoerigkeit voellig willkuerlich zustande kam. Tajfels Experimente mit dem sogenannten Minimal-Group-Paradigma zeigten, dass Versuchspersonen ihrer Eigengruppe selbst dann mehr Punkte zuteilten, wenn dies der eigenen Gruppe insgesamt schadete, solange der Abstand zur Fremdgruppe dadurch groesser wurde. Dieser Mechanismus macht Aussagen, die die eigene Gruppe aufwerten oder eine Fremdgruppe abwerten, besonders leicht annehmbar, unabhaengig von ihrem Wahrheitsgehalt.

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Fakt

Politische Freiheit für alle sah anders aus: Das Sozialistengesetz verbot von 1878 bis 1890 zwölf Jahre lang sozialdemokratische Vereine, Versammlungen und rund 1300 Druckschriften und traf damit die größte entstehende Arbeiterbewegung des Landes, obwohl deren Stimmenzahl im selben Zeitraum von etwa 312.000 auf 1,4 Millionen wuchs. In Preußen, dem mit weitem Abstand größten und einflussreichsten Gliedstaat, entschied bis 1918 das Dreiklassenwahlrecht die Landtagswahlen nach gezahlten Steuern: 1850 verfügte die reichste, rund 5 Prozent umfassende erste Klasse über denselben Stimmanteil wie die ärmsten rund 83 Prozent der Wähler zusammen. Von Wohlstand für alle konnte ebenso wenig die Rede sein: Die deutsche Kolonialverwaltung verübte 1904 bis 1908 im heutigen Namibia Gräueltaten an den Herero und Nama, die die Bundesregierung 2021 offiziell als Völkermord anerkannte. Rasantes Wirtschaftswachstum bei gleichzeitig verbotener Opposition, grob ungleichem Wahlrecht und kolonialer Gewalt lässt sich nicht auf die Formel Wohlstand und Freiheit verkürzen.

Psychologischer Hintergrund

Motiviertes Schlussfolgern

Die Erzählung von einer glanzvollen Kaiserzeit speist sich vor allem aus sichtbaren, stolz vermittelten Aspekten wie Reichsgründung, Industrialisierung und internationalem Ansehen. Wer diese Zeit als Beleg nationaler Größe schätzt, blendet dabei Fakten aus, die dieses positive Bild gefährden würden, etwa das jahrzehntelange Verbot der größten Oppositionsbewegung, das grob ungleiche Wahlrecht im mächtigsten Gliedstaat oder die koloniale Gewalt, weil deren Anerkennung die eigene, identitätsstiftende Erzählung einer guten alten Zeit beschädigen würde.

Menschen bewerten Informationen und Belege nicht rein sachlich, sondern auch danach, ob eine Schlussfolgerung die Zugehörigkeit zu einer wichtigen sozialen, politischen oder kulturellen Gruppe bestätigt oder bedroht. Widerspricht eine Tatsache den Überzeugungen der eigenen Gruppe, werden Belege eher angezweifelt, uminterpretiert oder abgewertet, und zwar auch von Personen mit hoher analytischer Fähigkeit. Dieses als motiviertes Schlussfolgern oder identitätsschützende Kognition bezeichnete Muster bedeutet, dass Denken nicht primär der Wahrheitsfindung dient, sondern dem Erhalt der Zugehörigkeit zur eigenen Gruppe. Besonders ausgeprägt zeigt sich der Effekt bei Themen, die stark mit politischer oder kultureller Identität verknüpft sind.

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Fakt

Die Auseinandersetzung mit den Verbrechen des Nationalsozialismus ist kein Kult, sondern Grundlage dafür, dass sich Völkermord und Diktatur nicht wiederholen. Erinnerungskultur bedeutet nicht ewige persönliche Schuld der heute Lebenden, sondern Verantwortung im Umgang mit der Geschichte. Der Begriff Schuldkult stammt aus dem rechtsextremen Sprachgebrauch und zielt darauf, die NS-Verbrechen zu relativieren. Stolz auf demokratische Errungenschaften und ehrliche Erinnerung schließen sich nicht aus.

Psychologischer Hintergrund

Kollektiver Narzissmus

Die Formulierung, Deutschland buesse ewig und duerfe nicht stolz sein, deutet die Erinnerungskultur als unverdiente Kraenkung einer eigentlich besonderen, anerkennungswuerdigen Nation um. Diese staendige Wachsamkeit gegenueber vermeintlicher Herabwuerdigung der eigenen Gruppe und das Gefuehl verweigerter Anerkennung sind der Kern des kollektiven Narzissmus, nicht ein stabiles, unaufgeregtes Nationalgefuehl.

Kollektiver Narzissmus, ein Konzept der Sozialpsychologin Agnieszka Golec de Zavala, beschreibt eine emotionale Investition in die unrealistische Ueberzeugung, die eigene Gruppe sei aussergewoehnlich und verdiene besondere Anerkennung, die ihr von aussen jedoch verweigert wird. Anders als ein gesundes, stabiles Gruppenselbstwertgefuehl geht kollektiver Narzissmus mit staendiger Wachsamkeit gegenueber vermeintlichen Kraenkungen und Bedrohungen der Gruppe einher. Empirisch sagt kollektiver Narzissmus, nicht aber individueller Narzissmus, Aggression gegenueber Fremdgruppen voraus, vermittelt ueber wahrgenommene Bedrohung von aussen und wahrgenommene Beleidigung der Eigengruppe. Dadurch werden selbst kleinere Kritik oder ausbleibende Anerkennung leicht als feindlicher Angriff gedeutet, was die Bereitschaft erhoeht, kompromisslose oder aggressive Erklaerungen und Reaktionen zu akzeptieren.

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Fakt

Die Geschichtswissenschaft belegt für beide Weltkriege eine maßgebliche deutsche Verantwortung. Den Zweiten Weltkrieg löste das Deutsche Reich 1939 mit dem Überfall auf Polen aus. Auch am Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 trug die deutsche Führung eine zentrale Rolle. Die Darstellung, andere Mächte hätten Deutschland die Kriege heimlich aufgezwungen, widerspricht der Quellenlage.

Psychologischer Hintergrund

Eigengruppenbevorzugung (soziale Identitaetstheorie)

Die Formulierung nur hineingezogen macht die eigene Nation zum passiven Opfer fremder Maechte statt zur Mitverursacherin oder Urheberin der beiden Kriege. Diese Umdeutung schuetzt das positive Bild der Eigengruppe, wie es die soziale Identitaetstheorie beschreibt. Fuer den Ersten Weltkrieg zeigen die deutsche Blankovollmacht an Oesterreich-Ungarn vom Juli 1914 und der bereits Jahre zuvor ausgearbeitete Schlieffen-Plan eine aktive deutsche Kriegsbereitschaft, fuer den Zweiten Weltkrieg belegen das Hossbach-Protokoll von 1937 und die Weisung Fall Barbarossa von 1940 die langfristige deutsche Angriffsplanung.

Nach der sozialen Identitaetstheorie von Henri Tajfel und John Turner beziehen Menschen einen Teil ihres Selbstwertgefuehls aus der Zugehoerigkeit zu Gruppen. Schon die blosse Einteilung in eine Eigengruppe und eine Fremdgruppe reicht aus, damit Mitglieder die eigene Gruppe bevorzugen und positiver bewerten, auch wenn die Gruppenzugehoerigkeit voellig willkuerlich zustande kam. Tajfels Experimente mit dem sogenannten Minimal-Group-Paradigma zeigten, dass Versuchspersonen ihrer Eigengruppe selbst dann mehr Punkte zuteilten, wenn dies der eigenen Gruppe insgesamt schadete, solange der Abstand zur Fremdgruppe dadurch groesser wurde. Dieser Mechanismus macht Aussagen, die die eigene Gruppe aufwerten oder eine Fremdgruppe abwerten, besonders leicht annehmbar, unabhaengig von ihrem Wahrheitsgehalt.

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Fakt

Die 2004 von der Stadt Dresden unabhängig von Politik und Verwaltung eingesetzte Historikerkommission kam 2010 nach Auswertung von Bestattungsunterlagen, Standesamtsakten und rund 60.000 Einzeldatensätzen zu dem Ergebnis: höchstens 25.000 Tote. Diese Zahl ist keine nachträgliche Verharmlosung, sie deckt sich mit der allerersten Schätzung. Die echte, erst 1965 wiederentdeckte Polizeimeldung Tagesbefehl Nr. 47 vom März 1945 nannte bereits rund 20.000 geborgene und 25.000 erwartete Tote. Gelogen wurde in die andere Richtung: Das nationalsozialistische Auswärtige Amt wies seine Gesandtschaften noch im März 1945 an, zu Propagandazwecken 200.000 Tote zu verbreiten, vermutlich gestützt auf eine gefälschte Fassung derselben Meldung mit einer zusätzlich angehängten Null. In der DDR kursierten später 35.000, seit den 1990er-Jahren agitieren Rechtsextreme mit Zahlen bis zu einer halben Million. Wer bei der Opferzahl eine Lüge sucht, wird eher bei diesen späteren Übertreibungen fündig als bei der ursprünglichen Zahl von 25.000.

Psychologischer Hintergrund

Bedürfnis nach kognitiver Geschlossenheit

Die Formulierung 'alles andere ist eine Lüge' verlangt eine einzige, endgültige Zahl und wertet die tatsächliche wissenschaftliche Bandbreite, über Jahre aus Bestattungsunterlagen und Zeitzeugenberichten rekonstruiert, als Unehrlichkeit statt als normale historische Sorgfalt. Dieses Bedürfnis nach einer eindeutigen, nicht mehr verhandelbaren Antwort blendet zugleich aus, dass es in der Geschichte dieser Opferzahl mehrere tatsächliche, politisch motivierte Falschangaben gab, von der NS-Propaganda über die DDR-Zahl bis zu heutigen rechtsextremen Übertreibungen, während die ursprüngliche Zahl von 1945 der heutigen Forschung am nächsten kam.

Manche Menschen empfinden Unsicherheit und Mehrdeutigkeit als besonders unangenehm und streben deshalb danach, möglichst rasch zu einer eindeutigen Antwort auf eine Frage zu gelangen und diese danach beizubehalten. Dieses Bedürfnis nach kognitiver Geschlossenheit setzt sich aus zwei Tendenzen zusammen, dem Drang, schnell ein Urteil zu fällen (urgency), und dem Bestreben, ein einmal gefasstes Urteil gegen neue, widersprüchliche Informationen zu verteidigen (permanence). Ist das Bedürfnis nach Geschlossenheit hoch ausgeprägt, sinkt die Bereitschaft, alternative Erklärungen zu prüfen, während einfache, in sich geschlossene Erklärungen an Attraktivität gewinnen. Das Konzept geht maßgeblich auf Arie Kruglanski zurück und gilt als individuelle Eigenschaft, die zugleich situativ verstärkt werden kann, etwa unter Zeitdruck oder in unsicheren Lagen.

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Fakt

Die Verbrechen des Nationalsozialismus wurden nicht nur von einer kleinen Gruppe der SS begangen. Die Geschichtswissenschaft belegt, dass auch die Wehrmacht an Kriegsverbrechen und am Völkermord beteiligt war und breite Teile der Bevölkerung mitwussten, profitierten oder wegschauten. Dass der eigene Großvater angeblich nichts wusste, ist ein verbreitetes Muster familiärer Schuldabwehr. Individuelle Rollen waren unterschiedlich, eine pauschale Unschuld der Kriegsgeneration gab es aber nicht.

Psychologischer Hintergrund

Motiviertes Schlussfolgern

Die eigene Familienidentitaet steht auf dem Spiel, wenn der Grossvater zur Wehrmacht gehoerte, deshalb wird die Verantwortung auf eine kleine, klar abgegrenzte Taetergruppe wie die SS verschoben. Diese familiaere Schuldabwehr ist identitaetsschuetzende Kognition: Belege zur Beteiligung auch regulaerer Wehrmachtseinheiten an Kriegsverbrechen werden eher verdraengt oder angezweifelt als angenommen, weil sie das positive Bild des eigenen Angehoerigen bedrohen.

Menschen bewerten Informationen und Belege nicht rein sachlich, sondern auch danach, ob eine Schlussfolgerung die Zugehörigkeit zu einer wichtigen sozialen, politischen oder kulturellen Gruppe bestätigt oder bedroht. Widerspricht eine Tatsache den Überzeugungen der eigenen Gruppe, werden Belege eher angezweifelt, uminterpretiert oder abgewertet, und zwar auch von Personen mit hoher analytischer Fähigkeit. Dieses als motiviertes Schlussfolgern oder identitätsschützende Kognition bezeichnete Muster bedeutet, dass Denken nicht primär der Wahrheitsfindung dient, sondern dem Erhalt der Zugehörigkeit zur eigenen Gruppe. Besonders ausgeprägt zeigt sich der Effekt bei Themen, die stark mit politischer oder kultureller Identität verknüpft sind.

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Fakt

Der Holocaust ist eines der am besten dokumentierten Verbrechen der Geschichte. Die Ermordung von etwa sechs Millionen Juden ist durch Akten der Täter, Deportationslisten, Lagerunterlagen, Aussagen von Überlebenden und Tätern sowie durch die Nachkriegsprozesse belegt. Die Zahlen beruhen auf jahrzehntelanger Forschung und sind nicht erfunden. Das Leugnen oder Verharmlosen des Holocaust ist in Deutschland als Volksverhetzung strafbar.

Psychologischer Hintergrund

Motiviertes Schlussfolgern

Wer ein verharmlosendes Bild des Nationalsozialismus mit der eigenen weltanschaulichen oder politischen Identitaet verknuepft, empfindet das vollstaendige Ausmass des Holocaust als Angriff auf diese Identitaet. Die Leugnung oder Verharmlosung der Opferzahlen schuetzt deshalb weniger eine beliebige Vorueberzeugung als die eigene ideologische Zugehoerigkeit: Taeterakten, Deportationslisten, Gedenkbucheintraege und die Gestaendnisse verurteilter Taeter aus den Nuernberger Prozessen und dem Frankfurter Auschwitz-Prozess werden pauschal als Faelschung abgetan, waehrend laengst widerlegte Einzelmeinungen bereitwillig uebernommen werden.

Menschen bewerten Informationen und Belege nicht rein sachlich, sondern auch danach, ob eine Schlussfolgerung die Zugehörigkeit zu einer wichtigen sozialen, politischen oder kulturellen Gruppe bestätigt oder bedroht. Widerspricht eine Tatsache den Überzeugungen der eigenen Gruppe, werden Belege eher angezweifelt, uminterpretiert oder abgewertet, und zwar auch von Personen mit hoher analytischer Fähigkeit. Dieses als motiviertes Schlussfolgern oder identitätsschützende Kognition bezeichnete Muster bedeutet, dass Denken nicht primär der Wahrheitsfindung dient, sondern dem Erhalt der Zugehörigkeit zur eigenen Gruppe. Besonders ausgeprägt zeigt sich der Effekt bei Themen, die stark mit politischer oder kultureller Identität verknüpft sind.

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Fakt

Hitler wurde nie in einer freien Wahl direkt ins Amt des Reichskanzlers gewählt: Reichspräsident Paul von Hindenburg ernannte ihn am 30. Januar 1933 nach Absprachen mit Franz von Papen und Alfred Hugenberg zum Kanzler, ohne dass eine Volksabstimmung darüber stattfand. Bei der Reichspräsidentenwahl im Frühjahr 1932 war Hitler selbst angetreten und unterlag Hindenburg in der Stichwahl klar mit rund 37 zu 53 Prozent. Auch im Reichstag hatte die NSDAP nie eine Mehrheit: Bei der Wahl im November 1932 kam sie nur auf 33,1 Prozent, ein Rückgang gegenüber Juli 1932. Die einzige Reichstagswahl mit einem hohen NSDAP-Ergebnis, 43,9 Prozent im März 1933, fand bereits nach der Machtübernahme statt, unter Verhaftungen kommunistischer und sozialdemokratischer Politiker sowie eingeschränkter Pressefreiheit infolge der Notverordnung nach dem Reichstagsbrand, und war damit keine faire Wahl mehr. Auch das Ermächtigungsgesetz vom 23. März 1933, das Hitler diktatorische Vollmachten übertrug, kam durch Einschüchterung und den Ausschluss der bereits verhafteten oder verfolgten KPD-Abgeordneten zustande.

Psychologischer Hintergrund

Wahrheitseffekt durch Wiederholung

Der Satz Hitler wurde demokratisch gewählt wird seit Jahrzehnten in verkürzter Form wiederholt, in Debatten, Schulhofgesprächen und sozialen Medien, wodurch er allein durch Wiederholung vertraut und plausibel wirkt, unabhängig vom tatsächlichen Ablauf der Ereignisse. Die Kürze der Parole verschmilzt mehrere unterschiedliche Vorgänge, die Reichstagswahlen, die Reichspräsidentenwahl und die Ernennung durch Hindenburg, zu einem einzigen scheinbar einfachen demokratischen Fakt. Das entlastet von der komplizierteren und unbequemeren Chronologie aus Hinterzimmer-Absprachen, Terror und dem Versagen konservativer Eliten, die Hitler an die Macht brachten.

Der Wahrheitseffekt beschreibt, dass wiederholt gehörte Aussagen als wahrer eingeschätzt werden als neue, unabhängig von ihrem tatsächlichen Wahrheitsgehalt. Verantwortlich dafür ist vermutlich die kognitive Verarbeitungsflüssigkeit, mit der eine vertraute Aussage verarbeitet wird und die unbewusst als Hinweis auf Wahrheit gedeutet wird. Der Effekt tritt auch bei Falschmeldungen, Verschwörungserzählungen und Aussagen auf, die dem eigenen Vorwissen widersprechen. Bereits die zweite Wiederholung einer Aussage bringt den größten Zuwachs an gefühlter Glaubwürdigkeit, weitere Wiederholungen wirken schwächer nach.

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Fakt

Die DDR war eine Diktatur unter Führung der SED. Ihr Ministerium für Staatssicherheit beschäftigte 1989 rund 91.000 hauptamtliche Mitarbeiter und führte etwa 180.000 inoffizielle Mitarbeiter, zusammen ermöglichten sie eine flächendeckende Überwachung der eigenen Bevölkerung. An der rund 1.400 Kilometer langen innerdeutschen Grenze und der Berliner Mauer galt ein Schießbefehl: Grenzsoldaten waren angewiesen, Flüchtende notfalls mit der Waffe zu stoppen, die Anlagen wurden mit Selbstschussanlagen, Minen und Wachtürmen zum sogenannten Todesstreifen ausgebaut. Das Bundesarchiv, das seit 2021 auch die frühere Stasi-Unterlagen-Behörde umfasst, dokumentiert mindestens 140 Todesopfer an der Berliner Mauer zwischen 1961 und 1989, weitere Tote sind an der gesamten innerdeutschen Grenze belegt. Reisen in den Westen war den meisten DDR-Bürgern verwehrt, wer abweichende politische Ansichten öffentlich vertrat, riskierte berufliche Nachteile oder Haft. Zugleich erlebten viele Menschen den DDR-Alltag real mit Vollbeschäftigung, garantierter Kinderbetreuung und sozialer Grundsicherung; das stellt diese Erfahrung nicht infrage, macht die Diktatur mit ihrer Überwachung, dem tödlichen Grenzregime und den dokumentierten Todesopfern aber nicht zu einem im Kern besseren oder friedlicheren Staat.

Psychologischer Hintergrund

Gerechte-Welt-Hypothese

Wer die Grenztoten anerkennt, muss akzeptieren, dass Menschen ohne eigene Schuld erschossen wurden, allein weil sie reisen wollten, ein Gedanke, der dem Bedürfnis nach einer im Kern gerechten und geordneten Welt widerspricht. Nach Lerners Forschung neigen Beobachter in solchen Fällen dazu, den Opfern eine Mitschuld zuzuschreiben oder die Härte der Maßnahme als notwendige Reaktion auf Regelverstöße umzudeuten, statt das Unrecht als das zu benennen, was es war. Dieselbe Schutzfunktion wirkt bei der Erinnerung an den DDR-Alltag insgesamt: Vollbeschäftigung und soziale Sicherheit werden leichter als Beleg für eine grundsätzlich faire Ordnung erinnert, wenn Überwachung und tödliches Grenzregime dabei ausgeblendet oder als gerechtfertigt eingeordnet werden.

Die Gerechte-Welt-Hypothese beschreibt das psychologische Grundbedürfnis vieler Menschen, an eine im Kern faire und geordnete Welt zu glauben, in der jeder am Ende bekommt, was er verdient. Der Psychologe Melvin Lerner zeigte in Experimenten, dass Beobachter unschuldige Opfer von Leid eher abwerten oder ihnen eine Mitschuld zuschreiben, statt zu akzeptieren, dass Unrecht ohne erkennbaren Grund geschieht. Diese Umdeutung schützt die eigene Überzeugung, die Welt sei vorhersehbar und kontrollierbar. Der Mechanismus macht Menschen anfällig für Erklärungen, die Leid, Krisen oder Ungleichheit einer verborgenen Ordnung oder Schuld zuschreiben, statt Zufall oder struktureller Komplexität.

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Fakt

Der Zwei-plus-Vier-Vertrag von 1990 regelte völkerrechtlich verbindlich die äußeren Aspekte der deutschen Einheit und gilt als abschließende Friedensregelung. Die vier Siegermächte gaben damit ihre Vorbehaltsrechte auf, Deutschland erlangte volle Souveränität. Ein separates Dokument mit dem Titel Friedensvertrag ist völkerrechtlich nicht erforderlich.

Psychologischer Hintergrund

Kompensatorisches Kontrollbedürfnis

Die Parole macht aus einer juristischen Formalie, dass kein Dokument den Titel Friedensvertrag traegt, den Beleg dafuer, der deutsche Staat sei bis heute nicht wirklich souveraen. Diese pseudo-juristisch stimmige Alternativ-Rechtslage ist ein typisches Reichsbuerger-Muster, das ein Gefuehl von Ordnung und Durchblick gegenueber einem als fremdbestimmt empfundenen Staat zurueckgibt, obwohl der Zwei-plus-Vier-Vertrag von 1990 die Frage laengst voelkerrechtlich verbindlich geklaert hat.

Menschen haben ein grundlegendes Bedürfnis, ihre Umwelt als geordnet und vorhersehbar wahrzunehmen. Wird dieses Gefühl persönlicher Kontrolle erschüttert, etwa durch wirtschaftliche Unsicherheit oder gesellschaftlichen Wandel, suchen sie nach Ersatzstrukturen, um die verlorene Ordnung wiederherzustellen. Das kann durch stärkeren Glauben an mächtige Institutionen oder eine lenkende höhere Macht geschehen, aber auch durch Verschwörungserzählungen, die zumindest eine schlüssige, wenn auch falsche, Erklärung liefern. Studien zeigen, dass Kontrollverlust die Neigung verstärkt, Muster und Absichten selbst dort zu erkennen, wo objektiv keine bestehen.

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Fakt

Der Nationalsozialismus war eine völkisch-nationalistische und rassistische Bewegung des extrem rechten Spektrums. Am 2. Mai 1933, einen Tag nach dem zum Feiertag erklärten 1. Mai, besetzten SA und NSBO die Häuser der freien Gewerkschaften, nahmen führende Funktionäre in Schutzhaft und zogen das Vermögen ein; an ihre Stelle trat die Deutsche Arbeitsfront. Das Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit ersetzte 1934 die Betriebsräte durch das Führerprinzip im Betrieb: der Unternehmer als Betriebsführer, die Belegschaft als zum Gehorsam verpflichtete Gefolgschaft. SPD und KPD wurden verboten, Sozialisten und Kommunisten verfolgt und ermordet. Auch den eigenen sozialrevolutionären Flügel ließ Hitler beseitigen: Beim Röhm-Putsch Ende Juni 1934 wurden Ernst Röhm und weitere SA-Führer erschossen, und ein Gesetz vom 3. Juli 1934 erklärte diese Morde nachträglich für rechtmäßig. Der Namensbestandteil sozialistisch in NSDAP war Propaganda, die Geschichtswissenschaft ordnet den NS eindeutig rechtsextrem ein.

Psychologischer Hintergrund

Motiviertes Schlussfolgern

Wer sich selbst im rechten Spektrum verortet, empfindet die historische Einordnung des Nationalsozialismus als extrem rechte Bewegung als Bedrohung der eigenen politischen Identitaet. Die Umdeutung verschiebt die historische Schuld auf das gegnerische politische Lager und schuetzt so die eigene Gruppenzugehoerigkeit, obwohl das Verbot von SPD und KPD, die Zerschlagung der Gewerkschaften und der Roehm-Putsch gegen den sozialrevolutionaeren SA-Fluegel das Gegenteil belegen.

Menschen bewerten Informationen und Belege nicht rein sachlich, sondern auch danach, ob eine Schlussfolgerung die Zugehörigkeit zu einer wichtigen sozialen, politischen oder kulturellen Gruppe bestätigt oder bedroht. Widerspricht eine Tatsache den Überzeugungen der eigenen Gruppe, werden Belege eher angezweifelt, uminterpretiert oder abgewertet, und zwar auch von Personen mit hoher analytischer Fähigkeit. Dieses als motiviertes Schlussfolgern oder identitätsschützende Kognition bezeichnete Muster bedeutet, dass Denken nicht primär der Wahrheitsfindung dient, sondern dem Erhalt der Zugehörigkeit zur eigenen Gruppe. Besonders ausgeprägt zeigt sich der Effekt bei Themen, die stark mit politischer oder kultureller Identität verknüpft sind.

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Fakt

Der Vergleich der heutigen Demokratie mit der NS-Diktatur verharmlost die Verbrechen des Nationalsozialismus. Sophie Scholl wurde 1943 für Flugblätter gegen das Regime hingerichtet, heutige Kritiker können dagegen frei demonstrieren, publizieren und klagen. Im Grundgesetz sind Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit garantiert und einklagbar. Wer öffentlich Widerstand behauptet und dabei ungehindert auftritt, widerlegt die eigene Behauptung der Verfolgung.

Psychologischer Hintergrund

Kollektiver Narzissmus

Wer unter vollem Schutz von Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit oeffentlich Kritik aeussert oder gesellschaftlichen Widerspruch erfaehrt, deutet das als Verfolgung auf dem Niveau einer 1943 vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilten Widerstandskaempferin. Diese Selbststilisierung zur Maertyrerin oder zum Maertyrer folgt dem Muster des kollektiven Narzissmus, wonach schon kleinere Kritik oder ausbleibende Zustimmung als feindlicher Angriff auf die eigene, als besonders und zu Unrecht verkannt empfundene Gruppe gedeutet wird, obwohl die tatsaechliche Lage mit Sophie Scholls Schicksal in keiner Weise vergleichbar ist.

Kollektiver Narzissmus, ein Konzept der Sozialpsychologin Agnieszka Golec de Zavala, beschreibt eine emotionale Investition in die unrealistische Ueberzeugung, die eigene Gruppe sei aussergewoehnlich und verdiene besondere Anerkennung, die ihr von aussen jedoch verweigert wird. Anders als ein gesundes, stabiles Gruppenselbstwertgefuehl geht kollektiver Narzissmus mit staendiger Wachsamkeit gegenueber vermeintlichen Kraenkungen und Bedrohungen der Gruppe einher. Empirisch sagt kollektiver Narzissmus, nicht aber individueller Narzissmus, Aggression gegenueber Fremdgruppen voraus, vermittelt ueber wahrgenommene Bedrohung von aussen und wahrgenommene Beleidigung der Eigengruppe. Dadurch werden selbst kleinere Kritik oder ausbleibende Anerkennung leicht als feindlicher Angriff gedeutet, was die Bereitschaft erhoeht, kompromisslose oder aggressive Erklaerungen und Reaktionen zu akzeptieren.