Hitler war links
Der Nationalsozialismus war eine völkisch-nationalistische und rassistische Bewegung des extrem rechten Spektrums. Am 2. Mai 1933, einen Tag nach dem zum Feiertag erklärten 1. Mai, besetzten SA und NSBO die Häuser der freien Gewerkschaften, nahmen führende Funktionäre in Schutzhaft und zogen das Vermögen ein; an ihre Stelle trat die Deutsche Arbeitsfront. Das Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit ersetzte 1934 die Betriebsräte durch das Führerprinzip im Betrieb: der Unternehmer als Betriebsführer, die Belegschaft als zum Gehorsam verpflichtete Gefolgschaft. SPD und KPD wurden verboten, Sozialisten und Kommunisten verfolgt und ermordet. Auch den eigenen sozialrevolutionären Flügel ließ Hitler beseitigen: Beim Röhm-Putsch Ende Juni 1934 wurden Ernst Röhm und weitere SA-Führer erschossen, und ein Gesetz vom 3. Juli 1934 erklärte diese Morde nachträglich für rechtmäßig. Der Namensbestandteil sozialistisch in NSDAP war Propaganda, die Geschichtswissenschaft ordnet den NS eindeutig rechtsextrem ein.
Motiviertes Schlussfolgern
Wer sich selbst im rechten Spektrum verortet, empfindet die historische Einordnung des Nationalsozialismus als extrem rechte Bewegung als Bedrohung der eigenen politischen Identitaet. Die Umdeutung verschiebt die historische Schuld auf das gegnerische politische Lager und schuetzt so die eigene Gruppenzugehoerigkeit, obwohl das Verbot von SPD und KPD, die Zerschlagung der Gewerkschaften und der Roehm-Putsch gegen den sozialrevolutionaeren SA-Fluegel das Gegenteil belegen.
Menschen bewerten Informationen und Belege nicht rein sachlich, sondern auch danach, ob eine Schlussfolgerung die Zugehörigkeit zu einer wichtigen sozialen, politischen oder kulturellen Gruppe bestätigt oder bedroht. Widerspricht eine Tatsache den Überzeugungen der eigenen Gruppe, werden Belege eher angezweifelt, uminterpretiert oder abgewertet, und zwar auch von Personen mit hoher analytischer Fähigkeit. Dieses als motiviertes Schlussfolgern oder identitätsschützende Kognition bezeichnete Muster bedeutet, dass Denken nicht primär der Wahrheitsfindung dient, sondern dem Erhalt der Zugehörigkeit zur eigenen Gruppe. Besonders ausgeprägt zeigt sich der Effekt bei Themen, die stark mit politischer oder kultureller Identität verknüpft sind.