Stammtischbingo
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Parole

Der Schuldkult muss enden, Deutschland büßt ewig und darf nicht stolz sein

Fakt

Die Auseinandersetzung mit den Verbrechen des Nationalsozialismus ist kein Kult, sondern Grundlage dafür, dass sich Völkermord und Diktatur nicht wiederholen. Erinnerungskultur bedeutet nicht ewige persönliche Schuld der heute Lebenden, sondern Verantwortung im Umgang mit der Geschichte. Der Begriff Schuldkult stammt aus dem rechtsextremen Sprachgebrauch und zielt darauf, die NS-Verbrechen zu relativieren. Stolz auf demokratische Errungenschaften und ehrliche Erinnerung schließen sich nicht aus.

Psychologischer Hintergrund

Kollektiver Narzissmus

Die Formulierung, Deutschland buesse ewig und duerfe nicht stolz sein, deutet die Erinnerungskultur als unverdiente Kraenkung einer eigentlich besonderen, anerkennungswuerdigen Nation um. Diese staendige Wachsamkeit gegenueber vermeintlicher Herabwuerdigung der eigenen Gruppe und das Gefuehl verweigerter Anerkennung sind der Kern des kollektiven Narzissmus, nicht ein stabiles, unaufgeregtes Nationalgefuehl.

Kollektiver Narzissmus, ein Konzept der Sozialpsychologin Agnieszka Golec de Zavala, beschreibt eine emotionale Investition in die unrealistische Ueberzeugung, die eigene Gruppe sei aussergewoehnlich und verdiene besondere Anerkennung, die ihr von aussen jedoch verweigert wird. Anders als ein gesundes, stabiles Gruppenselbstwertgefuehl geht kollektiver Narzissmus mit staendiger Wachsamkeit gegenueber vermeintlichen Kraenkungen und Bedrohungen der Gruppe einher. Empirisch sagt kollektiver Narzissmus, nicht aber individueller Narzissmus, Aggression gegenueber Fremdgruppen voraus, vermittelt ueber wahrgenommene Bedrohung von aussen und wahrgenommene Beleidigung der Eigengruppe. Dadurch werden selbst kleinere Kritik oder ausbleibende Anerkennung leicht als feindlicher Angriff gedeutet, was die Bereitschaft erhoeht, kompromisslose oder aggressive Erklaerungen und Reaktionen zu akzeptieren.