Stammtischbingo
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Parole

Hitler wurde demokratisch gewählt

Fakt

Hitler wurde nie in einer freien Wahl direkt ins Amt des Reichskanzlers gewählt: Reichspräsident Paul von Hindenburg ernannte ihn am 30. Januar 1933 nach Absprachen mit Franz von Papen und Alfred Hugenberg zum Kanzler, ohne dass eine Volksabstimmung darüber stattfand. Bei der Reichspräsidentenwahl im Frühjahr 1932 war Hitler selbst angetreten und unterlag Hindenburg in der Stichwahl klar mit rund 37 zu 53 Prozent. Auch im Reichstag hatte die NSDAP nie eine Mehrheit: Bei der Wahl im November 1932 kam sie nur auf 33,1 Prozent, ein Rückgang gegenüber Juli 1932. Die einzige Reichstagswahl mit einem hohen NSDAP-Ergebnis, 43,9 Prozent im März 1933, fand bereits nach der Machtübernahme statt, unter Verhaftungen kommunistischer und sozialdemokratischer Politiker sowie eingeschränkter Pressefreiheit infolge der Notverordnung nach dem Reichstagsbrand, und war damit keine faire Wahl mehr. Auch das Ermächtigungsgesetz vom 23. März 1933, das Hitler diktatorische Vollmachten übertrug, kam durch Einschüchterung und den Ausschluss der bereits verhafteten oder verfolgten KPD-Abgeordneten zustande.

Psychologischer Hintergrund

Wahrheitseffekt durch Wiederholung

Der Satz Hitler wurde demokratisch gewählt wird seit Jahrzehnten in verkürzter Form wiederholt, in Debatten, Schulhofgesprächen und sozialen Medien, wodurch er allein durch Wiederholung vertraut und plausibel wirkt, unabhängig vom tatsächlichen Ablauf der Ereignisse. Die Kürze der Parole verschmilzt mehrere unterschiedliche Vorgänge, die Reichstagswahlen, die Reichspräsidentenwahl und die Ernennung durch Hindenburg, zu einem einzigen scheinbar einfachen demokratischen Fakt. Das entlastet von der komplizierteren und unbequemeren Chronologie aus Hinterzimmer-Absprachen, Terror und dem Versagen konservativer Eliten, die Hitler an die Macht brachten.

Der Wahrheitseffekt beschreibt, dass wiederholt gehörte Aussagen als wahrer eingeschätzt werden als neue, unabhängig von ihrem tatsächlichen Wahrheitsgehalt. Verantwortlich dafür ist vermutlich die kognitive Verarbeitungsflüssigkeit, mit der eine vertraute Aussage verarbeitet wird und die unbewusst als Hinweis auf Wahrheit gedeutet wird. Der Effekt tritt auch bei Falschmeldungen, Verschwörungserzählungen und Aussagen auf, die dem eigenen Vorwissen widersprechen. Bereits die zweite Wiederholung einer Aussage bringt den größten Zuwachs an gefühlter Glaubwürdigkeit, weitere Wiederholungen wirken schwächer nach.