Der Satz ist die offizielle Begründung, mit der Russland am 24. Februar 2022 den Angriff auf die Ukraine eröffnete. Die UN-Generalversammlung wies sie zurück: 141 Staaten verurteilten den Einmarsch als Aggression und forderten den sofortigen und vollständigen Abzug der russischen Truppen. Die Ukraine wählt ihr Parlament in Wahlen, bei denen internationale Beobachter die Grundfreiheiten als gewahrt und den Wahlkampf als wettbewerblich bewerteten; die gemeinsame Liste der rechtsextremen Parteien Swoboda, Nationalkorps und Rechter Sektor erhielt 2019 nur 2,15 Prozent und verfehlte die Fünf-Prozent-Hürde. Getroffen wird von der angeblichen Befreiung vor allem die Bevölkerung, die sie befreien soll: Allein im Juni 2026 zählte die UN-Menschenrechtsmission 293 getötete und 1.990 verletzte Zivilisten, davon 2.226 der 2.283 Opfer in von der Ukraine kontrolliertem Gebiet.
Motiviertes Schlussfolgern
Der Satz übernimmt wortgleich die offizielle russische Kriegsbegründung vom 24. Februar 2022 und rechtfertigt damit einen Angriffskrieg als moralisch gebotene Rettungstat. Diese Deutung wird beibehalten, obwohl die zivilen Opfer der behaupteten Befreiung laut UN-Menschenrechtsmission ganz überwiegend in dem Gebiet fallen, das gerettet werden soll.
Menschen bewerten Informationen und Belege nicht rein sachlich, sondern auch danach, ob eine Schlussfolgerung die Zugehörigkeit zu einer wichtigen sozialen, politischen oder kulturellen Gruppe bestätigt oder bedroht. Widerspricht eine Tatsache den Überzeugungen der eigenen Gruppe, werden Belege eher angezweifelt, uminterpretiert oder abgewertet, und zwar auch von Personen mit hoher analytischer Fähigkeit. Dieses als motiviertes Schlussfolgern oder identitätsschützende Kognition bezeichnete Muster bedeutet, dass Denken nicht primär der Wahrheitsfindung dient, sondern dem Erhalt der Zugehörigkeit zur eigenen Gruppe. Besonders ausgeprägt zeigt sich der Effekt bei Themen, die stark mit politischer oder kultureller Identität verknüpft sind.