Wolodymyr Selenskyj war vor seiner Präsidentschaft Schauspieler, wurde aber 2019 demokratisch gewählt. Für die Behauptung, er leite westliche Hilfen auf private Konten um, gibt es keinen Beleg. Die Hilfen bestehen größtenteils aus Waffen und Sachleistungen und unterliegen der Kontrolle der Geberländer. Korruption ist in der Ukraine ein reales Problem, gegen das auch unter Selenskyj vorgegangen wird, das belegt aber keine persönliche Bereicherung an den Hilfen.
Suendenbock-Mechanismus unter relativer Deprivation
Frustration über hohe Kosten der Militärhilfe und komplexe geopolitische Zusammenhänge wird nicht bei diffusen strukturellen Ursachen verortet, sondern auf eine einzelne, greifbare Person verschoben, der ohne Beleg persönliche Bereicherung unterstellt wird. Selenskyjs frühere Schauspielkarriere macht ihn dabei zusätzlich zur leicht diskreditierbaren Zielscheibe.
Relative Deprivation bezeichnet das Gefuehl, im Vergleich zu einer Referenzgruppe oder zu den eigenen Erwartungen benachteiligt zu sein, unabhaengig von der tatsaechlichen materiellen Lage. Dieses Gefuehl erzeugt Frustration, die sich nach der Theorie der Suendenbocksuche nicht gegen die eigentliche, oft zu maechtige oder zu diffuse Ursache richtet, sondern auf ein schwaecheres, greifbares Ziel verschoben wird. Historisch und empirisch zeigt sich dieses Muster besonders in Phasen wirtschaftlicher Unsicherheit, wenn eine erkennbar andere und wenig durchsetzungsfaehige Gruppe fuer Probleme verantwortlich gemacht wird, die tatsaechlich strukturelle oder komplexe Ursachen haben. Die Schuldzuweisung schuetzt dabei das eigene Selbstbild, weil Rueckschlaege extern statt in der eigenen Verantwortung verortet werden.