Es gibt keinen Beleg für eine durch die COVID-19-Impfung ausgelöste Welle plötzlicher Todesfälle. Schwankungen der Sterbezahlen erklären sich vor allem durch die Pandemie selbst, die Alterung der Bevölkerung, Hitzewellen und Nachholeffekte. Die Aufsichtsbehörden werten Verdachtsmeldungen systematisch aus und fanden kein erhöhtes allgemeines Sterberisiko. Der Ausdruck plötzlich und unerwartet beschreibt seit jeher auch ungeklärte Todesfälle ohne jeden Impfbezug. Auch außerhalb der Behörden wurde gesucht: Ein internationales Forschungsnetz verglich bei 99 Millionen Geimpften aus acht Ländern die beobachteten mit den erwarteten Häufigkeiten von 13 schweren Krankheitsbildern. Gefunden wurden seltene, benannte Risiken wie Herzmuskelentzündung und Sinusvenenthrombose, nicht eine Welle plötzlicher Todesfälle.
Verfügbarkeitsheuristik
Einzelne, oft in sozialen Netzwerken geteilte Fälle von Kollaps oder plötzlichem Tod prägen sich emotional stark ein und sind leicht abrufbar, während die unauffällige Mehrheit gleichbleibender Sterbezahlen keine vergleichbare Aufmerksamkeit erzeugt. Dadurch wirkt eine angebliche Häufung plötzlicher Todesfälle subjektiv überzeugend, obwohl die amtliche Sterbestatistik kein entsprechendes Muster zeigt.
Die Verfügbarkeitsheuristik beschreibt die Tendenz, die Häufigkeit oder Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses danach einzuschätzen, wie leicht einem passende Beispiele dafür einfallen. Ereignisse, die emotional einprägsam, kürzlich erlebt oder medial präsent sind, wirken dadurch häufiger oder wahrscheinlicher, als sie tatsächlich sind. Der Mechanismus wurde von den Psychologen Amos Tversky und Daniel Kahneman beschrieben und zählt zu den grundlegenden kognitiven Heuristiken, mit denen Menschen unter Unsicherheit schnelle Urteile fällen. Da seltene, aber auffällige Ereignisse leichter abrufbar sind als häufige, aber unauffällige, führt die Heuristik systematisch zu Fehleinschätzungen von Risiken.
Beleg zu diesem Mechanismus: