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Parole

Journalisten betreiben nur noch Haltungsjournalismus statt neutraler Berichterstattung

Fakt

Der Begriff Haltungsjournalismus wird heute meist als pauschaler Vorwurf verwendet, ist aber keine Erfindung von außen, sondern entstammt einer Debatte innerhalb des Journalismus selbst. Seit den 2010er Jahren, verstärkt durch die Berichterstattung über Migration, Rechtsextremismus und den Klimawandel, diskutieren Redaktionen offen, wann eine klare Positionierung nötig ist. Öffentlich vertrat das etwa Georg Restle, Redaktionsleiter des ARD-Magazins Monitor: Er bekannte sich ausdrücklich zu Haltung, verstand darunter aber den Einsatz für Grundrechte und Menschenwürde sowie die Ablehnung von Faschismus, nicht die Nähe zu einem politischen Lager, eine Zuschreibung als links, die er selbst zurückwies. Zugleich betonte er, ohne solides journalistisches Handwerk nütze Haltung nichts, saubere Recherche bleibe Voraussetzung. Das deckt sich mit dem Pressekodex des Deutschen Presserats: Ziffer 1 nennt Wahrheitstreue und den Schutz der Menschenwürde als die beiden wichtigsten Pflichten bei der Information der Öffentlichkeit, ein bis heute verbindlicher Standard für alle angeschlossenen Redaktionen. Klare Positionierung bei Wertfragen wie Menschenwürde ist damit redaktioneller Berufsstandard, keine Abkehr von Wahrhaftigkeit, wie der pauschale Vorwurf unterstellt.

Psychologischer Hintergrund

Bestätigungsfehler

Wer Journalismus pauschal als bloße Haltung statt als Faktenvermittlung abtut, gewinnt einen Freifahrtschein: Jede unliebsame Meldung lässt sich als „nur Meinung" abtun, ohne sich mit ihrem Inhalt auseinanderzusetzen, während Quellen, die die eigene Sicht bestätigen, weiter anstandslos als „Fakten" gelten. Die Parole nutzt aus, dass echte redaktionelle Wertentscheidungen, etwa eine klare Haltung gegen Menschenverachtung, tatsächlich existieren, und generalisiert sie zu einem Freibrief gegen jede Kritik: Wer ohnehin überzeugt ist, verlässlicher Berichterstattung misstrauen zu müssen, findet darin eine fertige Erklärung, warum widersprechende Berichte ignoriert werden dürfen.

Der Bestätigungsfehler bezeichnet die Tendenz, Informationen so zu suchen, zu interpretieren und zu erinnern, dass sie bereits bestehende Überzeugungen stützen. Passende Informationen werden dabei oft unkritisch übernommen, während widersprechende Fakten übersehen, abgewertet oder besonders strengen Prüfungen unterzogen werden. Der Effekt betrifft grundsätzlich alle Menschen unabhängig von Bildung oder Intelligenz und wirkt meist unbewusst. Er verstärkt sich, wenn eine Überzeugung emotional bedeutsam oder Teil der eigenen Identität ist.