Stammtischbingo
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Parole

In Deutschland gibt es eine geheime staatliche Zensurbehörde

Fakt

Staatliche Zensur ist durch Artikel 5 Grundgesetz ausdrücklich verboten, eine geheime Zensurbehörde existiert nicht. Redaktionen entscheiden nach journalistischen Kriterien wie Relevanz, Belegbarkeit und Aktualität, welche Themen und Gäste vorkommen. Wer in eine Talkshow nicht eingeladen wird, ist deshalb nicht zensiert. Gegen tatsächliche staatliche Eingriffe könnte man zudem vor Gericht klagen. Auch von außerhalb des Staates wird das beobachtet: Reporter ohne Grenzen sieht Deutschland 2026 bei der Pressefreiheit auf Platz 14 von rund 180 Staaten. Eine Organisation, die weltweit staatliche Zensur dokumentiert und Deutschland im selben Bericht für den Umgang mit bedrohten Journalisten kritisiert, hätte eine Zensurbehörde kaum übersehen.

Psychologischer Hintergrund

Bedürfnis nach kognitiver Geschlossenheit

Die Vorstellung einer einzigen, konkret benennbaren Behörde liefert eine schnelle, eindeutige und bequeme Antwort darauf, warum bestimmte Gäste oder Themen in Talkshows fehlen, statt die unübersichtlichere Wahrheit zu akzeptieren, dass viele Redaktionen unabhängig voneinander nach Kriterien wie Relevanz und Aktualität entscheiden. Einmal gefasst, wird diese eindeutige Erklärung auch gegen Gegenbelege wie das grundgesetzliche Zensurverbot verteidigt.

Manche Menschen empfinden Unsicherheit und Mehrdeutigkeit als besonders unangenehm und streben deshalb danach, möglichst rasch zu einer eindeutigen Antwort auf eine Frage zu gelangen und diese danach beizubehalten. Dieses Bedürfnis nach kognitiver Geschlossenheit setzt sich aus zwei Tendenzen zusammen, dem Drang, schnell ein Urteil zu fällen (urgency), und dem Bestreben, ein einmal gefasstes Urteil gegen neue, widersprüchliche Informationen zu verteidigen (permanence). Ist das Bedürfnis nach Geschlossenheit hoch ausgeprägt, sinkt die Bereitschaft, alternative Erklärungen zu prüfen, während einfache, in sich geschlossene Erklärungen an Attraktivität gewinnen. Das Konzept geht maßgeblich auf Arie Kruglanski zurück und gilt als individuelle Eigenschaft, die zugleich situativ verstärkt werden kann, etwa unter Zeitdruck oder in unsicheren Lagen.