Stammtischbingo
0
Parole

Homosexualität ist eine Krankheit

Fakt

Der Anspruch, Homosexualität sei eine Krankheit oder psychische Störung, entspricht nicht dem aktuellen medizinischen und wissenschaftlichen Konsens. Die Weltgesundheitsversammlung der WHO strich Homosexualität am 17. Mai 1990 aus der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD) und stellt seither ausdrücklich klar, dass sexuelle Orientierung allein keine Störung ist. Die American Psychiatric Association war noch früher dran: Sie strich Homosexualität bereits 1973 aus ihrem Diagnosehandbuch DSM. Zuvor galt sie jahrzehntelang als Krankheit, etwa in der ICD-6 von 1948, was sogenannte Konversionstherapien zur vermeintlichen Heilung hervorbrachte, für deren Wirksamkeit es keinen wissenschaftlichen Beleg gibt. In Deutschland sind solche Behandlungen an Minderjährigen seit 2020 gesetzlich verboten.

Psychologischer Hintergrund

Systemrechtfertigung

Die Parole rahmt Heterosexualität als naturgegebene, gesunde Norm und alles Abweichende als Störung, die behoben werden müsste. Das rechtfertigt ein bestehendes gesellschaftliches Ordnungsgefüge mit traditionellen Familien- und Rollenbildern, das durch sichtbare sexuelle Vielfalt als infrage gestellt erlebt wird. Der veraltete Krankheitsbegriff liefert dafür einen scheinbar neutralen, medizinischen Anstrich, obwohl WHO und Fachverbände ihn seit Jahrzehnten ausdrücklich zurückgewiesen haben.

Nach der Systemrechtfertigungstheorie sind Menschen motiviert, bestehende gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Ordnungen als gerecht und legitim zu verteidigen, teils selbst dann, wenn sie durch diese Ordnung selbst benachteiligt werden. Diese Tendenz erfüllt eine ausgleichende, sogenannte palliative Funktion, sie hilft, die Angst und Verunsicherung zu vermeiden, die mit der Erkenntnis einhergehen würde, dass das eigene System fehlerhaft oder ungerecht sein könnte. Die Rechtfertigung des Status quo dient damit grundlegenden psychologischen Bedürfnissen nach Gewissheit, Sicherheit und sozialer Zugehörigkeit. Die Theorie wurde von John Jost und Kollegen entwickelt und erklärt unter anderem, warum auch Angehörige benachteiligter Gruppen bestehende Verhältnisse mitunter verteidigen.