Die pauschale Behauptung, alle oder die meisten geflüchteten Männer seien Kriminelle, ist falsch. Die große Mehrheit begeht keine Straftaten. In der Kriminalstatistik sichtbare Unterschiede erklären sich wesentlich durch Alter, Geschlecht, Wohnort und soziale Lage, nicht durch die Herkunft an sich. Einzelne schwere Taten sind real und werden verfolgt, rechtfertigen aber keine Verurteilung ganzer Gruppen. Der Begriff Messermigrant ist ein hetzerischer Kampfbegriff.
Verfügbarkeitsheuristik
Die Erzählung von per se kriminellen, für deutsche Frauen gefährlichen geflüchteten Männern speist sich maßgeblich aus einzelnen, extrem medienwirksamen Ereignissen wie der Kölner Silvesternacht 2015 und 2016, bei der Frauen gezielt Opfer von Übergriffen wurden. Solche seltenen, aber emotional einprägsamen Vorfälle lassen sich leichter erinnern als die alltägliche, unauffällige Realität der großen Mehrheit geflüchteter Männer ohne Straftaten, wodurch die wahrgenommene Gefahr die in der Kriminalstatistik erkennbare tatsächliche Häufigkeit weit übersteigt. Weil gerade ein Ereignis mit Frauen als Opfern medial besonders präsent war, prägt es bis heute das Bild einer speziell gegen deutsche Frauen gerichteten Gefahr und nicht nur eine allgemeine Kriminalitätsfurcht.
Die Verfügbarkeitsheuristik beschreibt die Tendenz, die Häufigkeit oder Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses danach einzuschätzen, wie leicht einem passende Beispiele dafür einfallen. Ereignisse, die emotional einprägsam, kürzlich erlebt oder medial präsent sind, wirken dadurch häufiger oder wahrscheinlicher, als sie tatsächlich sind. Der Mechanismus wurde von den Psychologen Amos Tversky und Daniel Kahneman beschrieben und zählt zu den grundlegenden kognitiven Heuristiken, mit denen Menschen unter Unsicherheit schnelle Urteile fällen. Da seltene, aber auffällige Ereignisse leichter abrufbar sind als häufige, aber unauffällige, führt die Heuristik systematisch zu Fehleinschätzungen von Risiken.
Beleg zu diesem Mechanismus: