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Parole

Ein geheimes Framing-Manual schreibt allen Redaktionen die Begriffe vor

Fakt

Es gibt kein geheimes Wörterbuch, das alle Redaktionen zu bestimmten Begriffen zwingt. Das oft zitierte Framing-Gutachten war ein öffentlich gewordenes, umstrittenes Papier für die interne Kommunikation allein der ARD, kein verbindlicher Sprachbefehl für die Presse. Zeitungen, Sender und Onlinemedien gehören unterschiedlichen Verlagen und verwenden ihre Begriffe uneinheitlich. Sprachliche Unterschiede sind Ausdruck redaktioneller Entscheidungen, nicht zentraler Steuerung.

Psychologischer Hintergrund

Illusorische Musterwahrnehmung (Apophänie)

Ein real existierendes, aber nur als internes Diskussionspapier für die ARD verfasstes und selbst von seiner Autorin als unverbindlich bezeichnetes Gutachten wird zum Beleg für ein universelles Regelwerk umgedeutet, das angeblich allen Redaktionen unabhängig von Verlag und Sender denselben Wortschatz vorschreibt. Ähnliche Begriffswahl verschiedener Medien wird so als beabsichtigtes Muster gedeutet, wo tatsächlich uneinheitliche redaktionelle Einzelentscheidungen vorliegen.

Menschen neigen dazu, in zufälligen oder unzusammenhängenden Informationen bedeutungsvolle Muster und Zusammenhänge zu erkennen, auch wenn keine existieren. Besonders ausgeprägt ist diese Tendenz, wenn Menschen das Gefühl von Kontrolle über ihre Lebenssituation verlieren. Kontrollverlust erhöht nachweislich die Neigung, Bilder in Zufallsrauschen zu sehen, Verschwörungen zu vermuten oder Aberglauben zu entwickeln. Der Mechanismus dient dabei offenbar dazu, ein Gefühl von Ordnung und Vorhersagbarkeit wiederherzustellen.