Der PCR-Test gilt als Goldstandard zum Nachweis von Erbgut des Coronavirus und ist hochspezifisch. Ein positives Ergebnis wird anhand der Zykluszahl und des klinischen Bildes eingeordnet, Labore arbeiten nach Qualitätsstandards. Fehler sind selten und werden durch Kontrollen erkannt. Die Behauptung, die Tests seien grundsätzlich manipuliert oder wertlos, widerspricht der wissenschaftlichen Bewertung.
Bedürfnis nach kognitiver Geschlossenheit
Die Behauptung verbindet zwei Urteile, gezielte Manipulation und völlige Wertlosigkeit, zu einer einzigen, in sich geschlossenen Erklärung, die ein technisch komplexes Thema, Zykluszahlen, Spezifität, klinische Einordnung, restlos auflöst und keine offenen Fragen zurücklässt. Diese vorschnelle Deutung ist für Menschen mit hohem Bedürfnis nach kognitiver Geschlossenheit attraktiver als eine differenzierte Auseinandersetzung mit den tatsächlichen Stärken und Grenzen des Tests, und sie wird, einmal gefasst, auch gegen methodische Erklärungen verteidigt.
Manche Menschen empfinden Unsicherheit und Mehrdeutigkeit als besonders unangenehm und streben deshalb danach, möglichst rasch zu einer eindeutigen Antwort auf eine Frage zu gelangen und diese danach beizubehalten. Dieses Bedürfnis nach kognitiver Geschlossenheit setzt sich aus zwei Tendenzen zusammen, dem Drang, schnell ein Urteil zu fällen (urgency), und dem Bestreben, ein einmal gefasstes Urteil gegen neue, widersprüchliche Informationen zu verteidigen (permanence). Ist das Bedürfnis nach Geschlossenheit hoch ausgeprägt, sinkt die Bereitschaft, alternative Erklärungen zu prüfen, während einfache, in sich geschlossene Erklärungen an Attraktivität gewinnen. Das Konzept geht maßgeblich auf Arie Kruglanski zurück und gilt als individuelle Eigenschaft, die zugleich situativ verstärkt werden kann, etwa unter Zeitdruck oder in unsicheren Lagen.