Netzwerke wie die Atlantik-Brücke sind bekannte, öffentlich auftretende Vereine zur transatlantischen Verständigung, keine geheime Steuerzentrale. Nur ein kleiner Teil der vielen tausend Journalistinnen und Journalisten in Deutschland ist dort Mitglied. Eine Vereinsmitgliedschaft belegt keine ferngesteuerte Berichterstattung. Die deutsche Medienlandschaft berichtet vielfältig und oft auch kritisch gegenüber den USA.
Eigengruppenbevorzugung (soziale Identitaetstheorie)
Schon die Mitgliedschaft einiger Journalisten in einem transatlantischen Verein genügt, um die gesamte Berufsgruppe pauschal als Vertreter einer fremden, den eigenen nationalen Interessen entgegengesetzten Gruppe abzuwerten, unabhängig vom Inhalt ihrer tatsächlichen Berichterstattung. Diese scharfe Trennung in eine loyale Eigengruppe und eine angeblich USA-hörige Fremdgruppe macht die pauschale Abwertung besonders leicht annehmbar.
Nach der sozialen Identitaetstheorie von Henri Tajfel und John Turner beziehen Menschen einen Teil ihres Selbstwertgefuehls aus der Zugehoerigkeit zu Gruppen. Schon die blosse Einteilung in eine Eigengruppe und eine Fremdgruppe reicht aus, damit Mitglieder die eigene Gruppe bevorzugen und positiver bewerten, auch wenn die Gruppenzugehoerigkeit voellig willkuerlich zustande kam. Tajfels Experimente mit dem sogenannten Minimal-Group-Paradigma zeigten, dass Versuchspersonen ihrer Eigengruppe selbst dann mehr Punkte zuteilten, wenn dies der eigenen Gruppe insgesamt schadete, solange der Abstand zur Fremdgruppe dadurch groesser wurde. Dieser Mechanismus macht Aussagen, die die eigene Gruppe aufwerten oder eine Fremdgruppe abwerten, besonders leicht annehmbar, unabhaengig von ihrem Wahrheitsgehalt.
Beleg zu diesem Mechanismus: