Der Infraschall von Windrädern liegt in üblichen Abständen deutlich unter der Wahrnehmungs- und Wirkschwelle des Menschen, gesundheitliche Schäden sind wissenschaftlich nicht belegt. Eine viel zitierte Studie zu angeblich starkem Infraschall enthielt einen Rechenfehler und wurde korrigiert. Windräder töten zwar einzelne Vögel, die größten Gefahren für Vögel sind aber Glasscheiben, Katzen und der Verlust von Lebensraum. Der Artenschutz wird bei der Standortwahl berücksichtigt.
Negativitätsverzerrung
Seltene, aber alarmierende Behauptungen über Krankheit durch Infraschall und massenhaftes Vogelsterben wiegen in der Wahrnehmung schwerer als die unspektakuläre Studienlage, die keine gesundheitlichen Schäden findet. Auch die einprägsame Vorstellung toter Vögel unter Windrädern überstrahlt die im Faktencheck genannten, tatsächlich größeren Gefahren durch Glasscheiben und Katzen, weil bedrohliche Informationen grundsätzlich mehr Gewicht erhalten als beruhigende.
Die Negativitätsverzerrung beschreibt die Tendenz, negativen Informationen, Ereignissen und Erfahrungen mehr Gewicht zu geben als positiven von vergleichbarer Intensität. Negative Reize werden schneller wahrgenommen, stärker beachtet und länger erinnert als positive, dieser Effekt zeigt sich bereits im Säuglingsalter. Er gilt als evolutionär erklärbar, weil das rechtzeitige Erkennen von Gefahren überlebenswichtiger war als das Erkennen positiver Gelegenheiten. In der Nachrichtennutzung führt die Verzerrung dazu, dass bedrohliche oder alarmierende Meldungen besonders viel Aufmerksamkeit und gefühlte Glaubwürdigkeit erhalten.
Beleg zu diesem Mechanismus:
- Not All Emotions Are Created Equal: The Negativity Bias in Social-Emotional Development (Psychological Bulletin, via PMC (National Library of Medicine), 2008)
- Cross-national evidence of a negativity bias in psychophysiological reactions to news (Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS), via PMC, 2019)