Es gibt keine Belege für eine geheime Weltregierung, die Politiker fernsteuert. Das Weltwirtschaftsforum in Davos ist eine private Stiftung, die Konferenzen organisiert, aber keine Regierungsgewalt besitzt. Gewählte Parlamente, unabhängige Gerichte und Wahlen kontrollieren politische Macht in Demokratien. Die Erzählung von der Neuen Weltordnung ist ein seit Jahrzehnten verbreiteter Verschwörungsmythos ohne Faktenbasis. Der Begriff Neue Weltordnung ist dabei kein neutraler Ausdruck. Er gehört zu einem festen Bestand von Kürzeln und Bildern, deren Herkunft aus antisemitischen Erzählungen von einer im Verborgenen herrschenden Macht dokumentiert ist, oft getarnt als bloße Kritik an Eliten.
Kompensatorisches Kontrollbedürfnis
Die Vorstellung, eine einzelne verborgene Instanz steuere alle Politiker weltweit, verwandelt die unübersichtliche, oft widersprüchliche Realität internationaler Politik in ein einfaches, kontrollierbares Bild mit nur einem Verantwortlichen. Das nimmt der komplexen, unvorhersehbaren Weltlage ihre Beunruhigung, indem es ihr eine geordnete, wenn auch falsche, Absicht unterstellt.
Menschen haben ein grundlegendes Bedürfnis, ihre Umwelt als geordnet und vorhersehbar wahrzunehmen. Wird dieses Gefühl persönlicher Kontrolle erschüttert, etwa durch wirtschaftliche Unsicherheit oder gesellschaftlichen Wandel, suchen sie nach Ersatzstrukturen, um die verlorene Ordnung wiederherzustellen. Das kann durch stärkeren Glauben an mächtige Institutionen oder eine lenkende höhere Macht geschehen, aber auch durch Verschwörungserzählungen, die zumindest eine schlüssige, wenn auch falsche, Erklärung liefern. Studien zeigen, dass Kontrollverlust die Neigung verstärkt, Muster und Absichten selbst dort zu erkennen, wo objektiv keine bestehen.
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