Behauptet wird hier eine Gewissheit, und für die gibt es keine Forschungsgrundlage. RAND wertet die Studienlage zu Waffengesetzen systematisch aus und stellt für Gesetze über bewaffnetes Schulpersonal fest: Für kein untersuchtes Ergebnis erfüllte genug Forschung die Aufnahmekriterien, keine einzige Studie bestand die Prüfung. RAND hält ausdrücklich fest, dass diese Lücke auch kein Beweis für das Gegenteil ist. Sie trägt aber die Beweislast: Wer sagt, Amokläufe würden sofort aufhören, muss das zeigen können. Was belegt ist, ist die Rolle der Waffen selbst. Die USA hatten 2015 eine 11,4-fach höhere Rate an Schusswaffentoten als vergleichbare Industrieländer.
Bedürfnis nach kognitiver Geschlossenheit
Die Formulierung sofort aufhören verspricht eine schnelle, eindeutige Lösung für ein komplexes Problem, obwohl laut Faktentext keine einzige Studie zu bewaffnetem Schulpersonal die methodischen Mindestanforderungen von RAND erfüllte. Die unangenehme Ungewissheit einer offenen Forschungslage wird durch eine vorschnelle, endgültig klingende Antwort ersetzt.
Manche Menschen empfinden Unsicherheit und Mehrdeutigkeit als besonders unangenehm und streben deshalb danach, möglichst rasch zu einer eindeutigen Antwort auf eine Frage zu gelangen und diese danach beizubehalten. Dieses Bedürfnis nach kognitiver Geschlossenheit setzt sich aus zwei Tendenzen zusammen, dem Drang, schnell ein Urteil zu fällen (urgency), und dem Bestreben, ein einmal gefasstes Urteil gegen neue, widersprüchliche Informationen zu verteidigen (permanence). Ist das Bedürfnis nach Geschlossenheit hoch ausgeprägt, sinkt die Bereitschaft, alternative Erklärungen zu prüfen, während einfache, in sich geschlossene Erklärungen an Attraktivität gewinnen. Das Konzept geht maßgeblich auf Arie Kruglanski zurück und gilt als individuelle Eigenschaft, die zugleich situativ verstärkt werden kann, etwa unter Zeitdruck oder in unsicheren Lagen.