Stammtischbingo
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Parole

Man kann Desinfektionsmittel gegen Corona spritzen

Fakt

Desinfektionsmittel sind Zellgifte. In den Körper gebracht zerstören sie Gewebe und Blutzellen und können tödlich wirken, kein Wirkstoff dieser Art ist als Arzneimittel gegen eine Virusinfektion zugelassen. Die Idee stammt aus einer Pressekonferenz im Weißen Haus am 23. April 2020, deren Wortprotokoll öffentlich nachlesbar ist. Wie gefährlich der Umgang mit diesen Mitteln ist, zeigen die US-Giftnotrufzentralen: Allein im ersten Quartal 2020 gingen dort rund 45.550 Meldungen zu Reinigungs- und Desinfektionsmitteln ein, etwa 20 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Psychologischer Hintergrund

Bedürfnis nach kognitiver Geschlossenheit

In der hochgradig unsicheren Frühphase der Pandemie im April 2020 bot die Aussicht auf ein einfaches, sofort verfügbares Mittel eine schnelle, beruhigende Antwort auf eine bedrohliche Ungewissheit. Dieses Bedürfnis nach rascher Gewissheit überdeckte, dass Desinfektionsmittel laut Faktentext Zellgifte sind und kein solcher Wirkstoff als Arzneimittel zugelassen ist.

Manche Menschen empfinden Unsicherheit und Mehrdeutigkeit als besonders unangenehm und streben deshalb danach, möglichst rasch zu einer eindeutigen Antwort auf eine Frage zu gelangen und diese danach beizubehalten. Dieses Bedürfnis nach kognitiver Geschlossenheit setzt sich aus zwei Tendenzen zusammen, dem Drang, schnell ein Urteil zu fällen (urgency), und dem Bestreben, ein einmal gefasstes Urteil gegen neue, widersprüchliche Informationen zu verteidigen (permanence). Ist das Bedürfnis nach Geschlossenheit hoch ausgeprägt, sinkt die Bereitschaft, alternative Erklärungen zu prüfen, während einfache, in sich geschlossene Erklärungen an Attraktivität gewinnen. Das Konzept geht maßgeblich auf Arie Kruglanski zurück und gilt als individuelle Eigenschaft, die zugleich situativ verstärkt werden kann, etwa unter Zeitdruck oder in unsicheren Lagen.