Gesetze entstehen in Deutschland in einem öffentlichen Verfahren mit Entwürfen, Anhörungen, Lesungen im Bundestag und Beratungen im Bundesrat, alles ist einsehbar und wird begleitet. Ein heimlicher Beschluss im Windschatten eines Fußballspiels ist so nicht möglich. Dass mehrere Dinge gleichzeitig passieren, ist normal und kein Beweis für eine Ablenkungsstrategie. Das Muster erklärt jedes Ereignis zum Ablenkungsmanöver und ist damit gegen jede Prüfung immunisiert.
Bedürfnis nach kognitiver Geschlossenheit
Die Erzählung erklärt, wie im Faktencheck festgehalten, jedes beliebige Ereignis zum Ablenkungsmanöver und macht sich damit gegen jede Prüfung immun, ein Musterbeispiel für das Bedürfnis, eine einmal gefasste Erklärung dauerhaft gegen widersprechende Informationen zu verteidigen. Egal was passiert oder wie die Faktenlage aussieht, die Schlussfolgerung steht schon vorher fest und wird nicht mehr infrage gestellt.
Manche Menschen empfinden Unsicherheit und Mehrdeutigkeit als besonders unangenehm und streben deshalb danach, möglichst rasch zu einer eindeutigen Antwort auf eine Frage zu gelangen und diese danach beizubehalten. Dieses Bedürfnis nach kognitiver Geschlossenheit setzt sich aus zwei Tendenzen zusammen, dem Drang, schnell ein Urteil zu fällen (urgency), und dem Bestreben, ein einmal gefasstes Urteil gegen neue, widersprüchliche Informationen zu verteidigen (permanence). Ist das Bedürfnis nach Geschlossenheit hoch ausgeprägt, sinkt die Bereitschaft, alternative Erklärungen zu prüfen, während einfache, in sich geschlossene Erklärungen an Attraktivität gewinnen. Das Konzept geht maßgeblich auf Arie Kruglanski zurück und gilt als individuelle Eigenschaft, die zugleich situativ verstärkt werden kann, etwa unter Zeitdruck oder in unsicheren Lagen.