Über den gesamten Lebensweg verursachen Elektroautos in Deutschland deutlich weniger Treibhausgase als vergleichbare Diesel oder Benziner, auch wenn die Batterieherstellung anfangs mehr Emissionen kostet. Mit steigendem Anteil erneuerbarer Energie im Strommix wird der Vorteil größer. Moderne Antriebsbatterien halten in der Regel viele Jahre und werden mit Garantien versehen, ein Totalschaden nach drei Jahren ist nicht der Normalfall. Probleme wie Rohstoffabbau sind real und werden über Lieferkettenregeln und Recycling angegangen.
Motiviertes Schlussfolgern
Die Formulierung 'in Wahrheit' unterstellt, dass offizielle Ökobilanzen eine Täuschung sind, und die Parole richtet sich gegen eine Technologie, die stark mit der kulturellen Identität als Autonation und mit dem Verbrennungsmotor verknüpft ist. Sowohl die pauschale Abwertung der CO2-Bilanz gegenüber Diesel als auch die Behauptung, Akkus seien schon nach drei Jahren Schrott, obwohl Herstellergarantien in der Regel acht Jahre abdecken, werden trotz gegenteiliger Datenlage übernommen, weil ihre Zurückweisung die Zugehörigkeit zur eigenen, der Verkehrswende gegenüber skeptischen Gruppe infrage stellen würde.
Menschen bewerten Informationen und Belege nicht rein sachlich, sondern auch danach, ob eine Schlussfolgerung die Zugehörigkeit zu einer wichtigen sozialen, politischen oder kulturellen Gruppe bestätigt oder bedroht. Widerspricht eine Tatsache den Überzeugungen der eigenen Gruppe, werden Belege eher angezweifelt, uminterpretiert oder abgewertet, und zwar auch von Personen mit hoher analytischer Fähigkeit. Dieses als motiviertes Schlussfolgern oder identitätsschützende Kognition bezeichnete Muster bedeutet, dass Denken nicht primär der Wahrheitsfindung dient, sondern dem Erhalt der Zugehörigkeit zur eigenen Gruppe. Besonders ausgeprägt zeigt sich der Effekt bei Themen, die stark mit politischer oder kultureller Identität verknüpft sind.