Die Polizei ist an Recht und Gesetz gebunden und schützt alle Bürgerinnen und Bürger, auch das Versammlungsrecht bei Demonstrationen. Ihr Handeln kann durch Gerichte, Beschwerdestellen und parlamentarische Kontrolle überprüft werden. Einzelnes Fehlverhalten kommt vor und wird untersucht, das macht die Polizei aber nicht zum Unterdrückungsapparat einer Elite. In einer Demokratie sichert sie den Rechtsrahmen, in dem Proteste überhaupt erst möglich sind.
Eigengruppenbevorzugung (soziale Identitaetstheorie)
Die Parole teilt scharf in 'das Volk' als Eigengruppe und eine angebliche 'Elite' samt ihrem Werkzeug Polizei als Fremdgruppe. Diese Abwertung der Fremdgruppe macht die Behauptung unabhängig von Fakten wie richterlicher Kontrolle polizeilichen Handelns oder dem verfassungsrechtlich geschützten Versammlungsrecht allein durch die Gruppenzugehörigkeit attraktiv.
Nach der sozialen Identitaetstheorie von Henri Tajfel und John Turner beziehen Menschen einen Teil ihres Selbstwertgefuehls aus der Zugehoerigkeit zu Gruppen. Schon die blosse Einteilung in eine Eigengruppe und eine Fremdgruppe reicht aus, damit Mitglieder die eigene Gruppe bevorzugen und positiver bewerten, auch wenn die Gruppenzugehoerigkeit voellig willkuerlich zustande kam. Tajfels Experimente mit dem sogenannten Minimal-Group-Paradigma zeigten, dass Versuchspersonen ihrer Eigengruppe selbst dann mehr Punkte zuteilten, wenn dies der eigenen Gruppe insgesamt schadete, solange der Abstand zur Fremdgruppe dadurch groesser wurde. Dieser Mechanismus macht Aussagen, die die eigene Gruppe aufwerten oder eine Fremdgruppe abwerten, besonders leicht annehmbar, unabhaengig von ihrem Wahrheitsgehalt.
Beleg zu diesem Mechanismus: