Krebs ist keine einzelne Krankheit, sondern ein Sammelbegriff für sehr viele verschiedene Erkrankungen, für die es kein einzelnes Wundermittel geben kann. Fortschritte in Früherkennung, Chirurgie, Bestrahlung und neuen Medikamenten haben die Überlebensraten bei vielen Krebsarten deutlich verbessert. Ein unterdrücktes Heilmittel ließe sich in der weltweiten, konkurrierenden Forschung nicht geheim halten. Auch Forschende und ihre Angehörigen erkranken an Krebs, ein Interesse an Verheimlichung ergibt keinen Sinn.
Kompensatorisches Kontrollbedürfnis
Eine Krebserkrankung, deren Verlauf trotz aller medizinischen Bemühungen oft ungewiss bleibt, entzieht sich weitgehend der eigenen Kontrolle, gerade weil die Medizin gegen viele Krebsarten bislang nur begrenzt etwas ausrichten kann. Die Vorstellung, ein wirksames Heilmittel existiere längst und werde nur aus Profitgründen zurückgehalten, ersetzt diese unkontrollierbare biologische Realität durch eine auf eine konkrete Absicht zurückführbare, damit prinzipiell überwindbare Erklärung und lässt so die Hoffnung auf eine erreichbare Lösung offen.
Menschen haben ein grundlegendes Bedürfnis, ihre Umwelt als geordnet und vorhersehbar wahrzunehmen. Wird dieses Gefühl persönlicher Kontrolle erschüttert, etwa durch wirtschaftliche Unsicherheit oder gesellschaftlichen Wandel, suchen sie nach Ersatzstrukturen, um die verlorene Ordnung wiederherzustellen. Das kann durch stärkeren Glauben an mächtige Institutionen oder eine lenkende höhere Macht geschehen, aber auch durch Verschwörungserzählungen, die zumindest eine schlüssige, wenn auch falsche, Erklärung liefern. Studien zeigen, dass Kontrollverlust die Neigung verstärkt, Muster und Absichten selbst dort zu erkennen, wo objektiv keine bestehen.
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