Es gibt keinen Beleg dafür, dass Klimaaktivisten ein Gehalt für Blockaden erhalten. Protestgruppen finanzieren sich überwiegend aus Spenden, die offengelegt werden, und viele Aktive engagieren sich ehrenamtlich. Die Erzählung von einem Strippenzieher wie George Soros ist ein wiederkehrendes, oft antisemitisch aufgeladenes Verschwörungsmuster. Ob man die Aktionsformen gutheißt, ist eine andere Frage als die Bezahlbehauptung.
Proportionalitätsfehlschluss
Dass ehrenamtliche Aktivisten allein durch Sitzblockaden bundesweite Aufmerksamkeit und Verkehrsstörungen erzeugen, wirkt vielen unverhältnismäßig zu einer so banalen, freiwilligen Ursache, weshalb eine übergroß erscheinende Figur wie Soros als passend gewichtige Erklärung gesucht wird. Die tatsächliche, im Transparenzbericht offengelegte Ursache, Spenden und ehrenamtliches Engagement, wird als zu klein für die spürbare Wirkung empfunden.
Der Proportionalitätsfehlschluss beschreibt die intuitive Annahme, dass folgenschwere Ereignisse auch entsprechend große, bedeutsame Ursachen haben müssen. Eine banale oder zufällige Erklärung wird bei einem historisch einschneidenden Ereignis als unbefriedigend empfunden, selbst wenn sie zutreffend ist. Studien zeigen, dass Menschen eine Verschwörungserklärung eher akzeptieren, wenn die Folgen eines Ereignisses gravierend waren, etwa bei einem tödlich verlaufenen statt einem gescheiterten Attentat. Dahinter steht unter anderem das Bedürfnis, Kontrolle und Sinnhaftigkeit in einer komplexen Welt zu bewahren.