Die Erwerbsbeteiligung junger Menschen in Deutschland ist hoch, viele arbeiten, studieren oder machen eine Ausbildung. Wünsche nach flexibleren Arbeitszeiten oder Homeoffice bedeuten nicht Arbeitsunwilligkeit, sondern veränderte Vorstellungen von guter Arbeit. Klagen über die faule Jugend sind historisch belegt und wurden schon vor Jahrzehnten geäußert. Produktivitäts- und Ausbildungszahlen widersprechen dem Vorurteil.
Wahrheitseffekt durch Wiederholung
Der Vorwurf der faulen Jugend wird laut Faktencheck schon seit Jahrzehnten in ähnlicher Form erhoben und von Generation zu Generation neu auf die jeweils Jüngeren gemünzt. Durch diese wiederholte Aussage wirkt die Behauptung vertraut und plausibel, obwohl Erwerbsbeteiligung, Ausbildungszahlen und Produktivitätsdaten ihr laut Faktencheck widersprechen.
Der Wahrheitseffekt beschreibt, dass wiederholt gehörte Aussagen als wahrer eingeschätzt werden als neue, unabhängig von ihrem tatsächlichen Wahrheitsgehalt. Verantwortlich dafür ist vermutlich die kognitive Verarbeitungsflüssigkeit, mit der eine vertraute Aussage verarbeitet wird und die unbewusst als Hinweis auf Wahrheit gedeutet wird. Der Effekt tritt auch bei Falschmeldungen, Verschwörungserzählungen und Aussagen auf, die dem eigenen Vorwissen widersprechen. Bereits die zweite Wiederholung einer Aussage bringt den größten Zuwachs an gefühlter Glaubwürdigkeit, weitere Wiederholungen wirken schwächer nach.
Beleg zu diesem Mechanismus:
- The effects of repetition frequency on the illusory truth effect (Cognitive Research: Principles and Implications, PMC (Hassan & Barber, 2021), 2021)
- The illusory truth effect: A review of how repetition increases belief in misinformation (Current Opinion in Psychology, PubMed (Udry & Barber, 2024), 2024)