Stammtischbingo
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Parole

Die 15-Minuten-Stadt soll die Menschen in ihren Vierteln einsperren

Fakt

Das Konzept der 15-Minuten-Stadt beschreibt Stadtplanung, bei der Wohnen, Arbeit, Einkauf und Freizeit in kurzer Entfernung erreichbar sind. Entscheidend ist, was dabei gemessen wird: die Zeit, die man zu den Dingen des Alltags braucht. Eine Stadt erfüllt das Ziel also, indem sie Angebote hinzufügt, nicht indem sie Bewegung einschränkt. Eine weltweite Untersuchung hat genau das durchgerechnet und für jede Stadt bestimmt, wie viele zusätzliche Einrichtungen ihr dafür fehlen. Das Ergebnis ist eher ernüchternd als bedrohlich: Die meisten Städte sind weit vom Ziel entfernt, und die Erreichbarkeit ist innerhalb der Städte sehr ungleich verteilt. Es geht um kurze Wege und Lebensqualität, nicht um Ausgangssperren oder Bewegungsverbote. Niemand wird gehindert, sein Viertel zu verlassen, die Freizügigkeit steht ohnehin im Grundgesetz.

Psychologischer Hintergrund

Verfügbarkeitsheuristik

Die realen Ausgangsbeschränkungen der Pandemie sind vielen noch lebhaft in Erinnerung, dieses leicht abrufbare Erlebnis macht die Vorstellung einer erzwungenen Bewegungseinschränkung im eigenen Viertel besonders plausibel. Ein städteplanerisches Konzept über kurze Wege wird dadurch reflexhaft als Fortsetzung der Lockdown-Erfahrung gelesen, obwohl es inhaltlich nichts mit Ausgangssperren zu tun hat.

Die Verfügbarkeitsheuristik beschreibt die Tendenz, die Häufigkeit oder Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses danach einzuschätzen, wie leicht einem passende Beispiele dafür einfallen. Ereignisse, die emotional einprägsam, kürzlich erlebt oder medial präsent sind, wirken dadurch häufiger oder wahrscheinlicher, als sie tatsächlich sind. Der Mechanismus wurde von den Psychologen Amos Tversky und Daniel Kahneman beschrieben und zählt zu den grundlegenden kognitiven Heuristiken, mit denen Menschen unter Unsicherheit schnelle Urteile fällen. Da seltene, aber auffällige Ereignisse leichter abrufbar sind als häufige, aber unauffällige, führt die Heuristik systematisch zu Fehleinschätzungen von Risiken.