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Parole

Der Great Reset ist ein geheimer Plan der Eliten damit du nichts mehr besitzt

Fakt

Great Reset ist der Titel eines Vorschlags, den Klaus Schwab am 3. Juni 2020 unter genau dieser Überschrift veröffentlicht hat. Inhaltlich geht es um einen Umbau des Kapitalismus, bei dem Unternehmen nicht mehr nur ihren Eigentümern verpflichtet sein sollen, in der Fachdebatte Stakeholder-Kapitalismus genannt. Man kann das für falsch oder für weltfremd halten, aber ein geheimer Plan sieht anders aus: Er wurde als Aufsatz veröffentlicht, als Buch verlegt und seither in Fachzeitschriften besprochen. Die Forschung beschreibt auch, wie die Erzählung daraus entstand: Rechte Gruppen haben den Begriff seit 2020 übernommen und auf ein längst vorhandenes Muster gesetzt, die alte Erzählung von der Neuen Weltordnung mit einer Weltregierung. Der oft zitierte Satz du wirst nichts besitzen ist kein Beschluss des Weltwirtschaftsforums. Über Eigentum und über Gesetze entscheiden weiterhin gewählte Parlamente.

Psychologischer Hintergrund

Bestätigungsfehler

Wer bereits von einer globalen Elitenverschwörung überzeugt ist, liest in Klaus Schwabs tatsächlich veröffentlichtem Aufsatz zum Great Reset genau die Bestätigung, die er sucht, während der dort offen diskutierte Inhalt zum Stakeholder-Kapitalismus ignoriert wird. Der vielzitierte Satz du wirst nichts besitzen und wirst glücklich sein stammt allerdings gar nicht aus Schwabs Text, sondern aus einem separaten, 2016 veröffentlichten WEF-Beitrag der dänischen Politikerin Ida Auken, wird aber trotzdem unkritisch als Beleg für einen Geheimplan in Schwabs Aufsatz hineingelesen. Dass beide Texte öffentlich, mit Namen und Datum erschienen sind und sich diese Vermischung leicht klären ließe, wird dabei nicht als Gegenbeweis zur Geheimplan-These gewertet, sondern einfach übergangen.

Der Bestätigungsfehler bezeichnet die Tendenz, Informationen so zu suchen, zu interpretieren und zu erinnern, dass sie bereits bestehende Überzeugungen stützen. Passende Informationen werden dabei oft unkritisch übernommen, während widersprechende Fakten übersehen, abgewertet oder besonders strengen Prüfungen unterzogen werden. Der Effekt betrifft grundsätzlich alle Menschen unabhängig von Bildung oder Intelligenz und wirkt meist unbewusst. Er verstärkt sich, wenn eine Überzeugung emotional bedeutsam oder Teil der eigenen Identität ist.