Bei Dunkelflaute müssen wir teuren Atomstrom aus Frankreich einkaufen weil die Energiewende versagt
Deutschland ist ins europäische Stromnetz eingebunden und handelt ständig Strom mit Nachbarländern, in beide Richtungen. Über das Jahr betrachtet exportiert Deutschland oft mehr Strom als es importiert. Phasen mit wenig Wind und Sonne werden durch Speicher, flexible Kraftwerke und Import überbrückt, das ist normaler Netzbetrieb und kein Beweis für ein Scheitern. Auch importierter Strom ist nicht automatisch französischer Atomstrom.
Verfügbarkeitsheuristik
Einzelne, medial breit diskutierte Momente des Stromimports bei Dunkelflaute bleiben besonders lebhaft im Gedächtnis, während die unauffällige Jahresbilanz mit Exportüberschuss kaum auffällt oder erinnert wird. Weil die dramatischen Einzelfälle leichter abrufbar sind als die nüchterne Handelsstatistik, wirkt Deutschland als dauerhaft von französischem Atomstrom abhängig, obwohl die Daten das Gegenteil zeigen.
Die Verfügbarkeitsheuristik beschreibt die Tendenz, die Häufigkeit oder Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses danach einzuschätzen, wie leicht einem passende Beispiele dafür einfallen. Ereignisse, die emotional einprägsam, kürzlich erlebt oder medial präsent sind, wirken dadurch häufiger oder wahrscheinlicher, als sie tatsächlich sind. Der Mechanismus wurde von den Psychologen Amos Tversky und Daniel Kahneman beschrieben und zählt zu den grundlegenden kognitiven Heuristiken, mit denen Menschen unter Unsicherheit schnelle Urteile fällen. Da seltene, aber auffällige Ereignisse leichter abrufbar sind als häufige, aber unauffällige, führt die Heuristik systematisch zu Fehleinschätzungen von Risiken.
Beleg zu diesem Mechanismus: